Good-bye, Irak US-Abzug überrascht Iraker

  • Publiziert: 19.08.2010, Aktualisiert: 20.01.2012

BAGDAD - Auf den Nacht-und-Nebel-Abzug der letzten US-Kampftruppen waren die Iraker nicht vorbereitet. Sie sind enttäuscht, wütend und verzweifelt.

Eigentlich hätten die letzten Kampftruppen erst am 31. August den Irak verlassen sollen. Doch als die Iraker heute Morgen aufwachten, sahen sie sich vor vollendete Tatsachen gestellt. Die letzten 6000 Soldaten der kämpfenden Truppe waren in einem nächtlichen Wüstentrip ins Nachbarland Kuwait verschoben worden.

Jetzt kommt aus: Der Überraschungscoup war aus Sicherheitsgründen geheim gehalten worden. Nicht einmal die politische Führung oder die Kommandanten der Sicherheitskräfte waren eingeweiht.

Sie reagierten mit Beschwichtigungsversuchen und Appellen zur Geschlossenheit.

Staatspräsident Dschalal Talabani forderte die Parteiführer auf, sich endlich auf die Bildung einer «Regierung der nationalen Partnerschaft» zu einigen. «Ich rufe alle Parlamentarier, die Parteipolitiker und die Journalisten auf, alles zu unterlassen, was Zwietracht sät und die Stabilität unseres Landes gefährdet.»

Talabani nahm damit die Spitzenpolitiker Nuri al-Maliki und Ijad Allawi aufs Korn. Seit ihrem Patt in der Parmentswahl vom März blockieren sie sich gegenseitig. Seither hat der Irak keine Regierung.

Bürgerkrieg im Irak?

Viele Iraker glauben, dass der politische Stillstand eine Ursache für die Zunahme der Terroranschläge in den vergangenen Woche ist. Am Dienstag riss eine Bombe 58 Armeebewerber in den Tod, heute wurden drei Polizisten getötet.

Die letzten Wochen waren die blutigsten im Irak seit Langem. Viele Beobachter befürchten denn auch nichts anderes als einen Bürgerkrieg. Faleh Abdul-Jabbar, Direktor des Zentrums für Irak-Studien in Beirut, sagt: «Ich habe noch nie so schwarz gesehen wie für das Jahr 2010. Die Tore zur Hölle stehen weit offen.»

Der ranghöchste General des Irak, Babakir Zebari, äusserte klare Zweifel, dass seine Männer der ihnen nun zufallenden Aufgabe gewachsen sind: «Ich würde den Politikern sagen: Die US-Armee muss bleiben, bis die irakische Armee im Jahr 2020 vollends bereit ist», wird Zebari von «spiegel.de» zitiert.

Doch noch Kampfeinsätze?

Die USA versuchen in dieser Situation, die Iraker zu beruhigen. Nach dem 31. August sollen 50`000 Soldaten im Irak bleiben. Offiziell als Instruktoren zur Unterstüttzung der irakischen Armme. Aber ohne Kampfauftrag.

Strategie-Experte Albert A. Stahel ist aber nicht überzeugt, dass die Amerikaner nach dem 1. September nur noch friedlich wirken werden. «Bei der Abwehr des Terrors dürften die Amerikaner auch zu Kampfeinsätzen kommen», sagt er zu Blick.ch.

Die irakische Armee selber besteht momentan aus knapp 200000 Soldaten. Bis Ende 2011 sollen dann aber alle US-Soldaten das Land verlassen.

Vor siebeneinhalb Jahren, am 20. März 2003, waren die US-Streitkräfte an der Spitze einer internationalen Koalition in den Irak einmarschiert. Das erklärte Ziel war, den damaligen Machthaber Saddam Hussein zu stürzen. Dieser Krieg forderte das Leben von mehr als 4400 US-Soldaten und von schätzungsweise 300`000 irakischen Zivilisten. (SDA/snx)

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