Uribe gibt Missbrauch von Rotkreuz-Symbol zu

  • Publiziert: 16.07.2008, Aktualisiert: 02.01.2012

BOGOTÀ – Also doch: Die Befreier von Ingrid Betancourt täuschten ihre Bewacher mit einem Rotkreuz-Symbol. Das musste heute Kolumbiens Präsident einräumen.

Henri Dunant würde sich im Grab umdrehen: Ein Mitglied der Streitkräfte, welche die insgesamt 15 Geiseln befreit hatten, habe wegen der «grossen Nervosität» unerlaubterweise ein solches Symbol benutzt, sagte Uribe heute.

«Er (der Soldat) fürchtete um sein Leben und zog deshalb eine Armbinde mit dem Rotkreuz-Symbol aus seiner Tasche», sagte der Staatschef weiter. Dabei habe sich es aber nicht um einen bewussten Täuschungsversuch gehandelt.

Schwere Rechtsverletzung

«Wir bedauern, dass das geschehen ist», sagte Uribe. Er habe sich bereits beim Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) entschuldigt. Der Missbrauch von Emblemen des IKRK in Konflikten gilt als schwerer Verstoss gegen die Genfer Konventionen.

Der US-Fernsehsender CNN hatte zuvor berichtet, ihm sei «von militärischer Seite» ein Video und Fotos dazu angeboten worden. Darauf seien auf den Uniformen von Soldaten Embleme des IKRK zu sehen.

Bei der Befreiung der früheren Präsidentschaftskandidatin und der anderen 14 Geiseln Anfang Juli setzte das kolumbianische Militär unter anderem weiss lackierte Helikopter ein. Offiziell war von einem erfolgreichen Täuschungsmanöver gegenüber den Farc- Rebellen die Rede gewesen (Blick.ch berichtete).

Glaubwürdigkeit auf dem Spiel

Das IKRK distanzierte sich von der Befreiungsaktion und stellte klar, dass es «keinerlei Anfragen einer Teilnahme an dieser Operation» erhalten habe, wie ein Sprecher der Tageszeitung «El Tiempo» sagte.

«Das Emblem des Roten Kreuzes muss unter allen Umständen respektiert werden und darf nicht auf missbräuchliche Weise eingesetzt werden», hiess es heute in einer von der Hilfsorganisation in Bogotá veröffentlichten Erklärung.

Um als neutrale und unparteiische Organisation humanitäre Arbeit leisten zu können, müsse das IKRK allen an einem Konflikt beteiligten Parteien vertrauen können.

Die Organisation teilte zunächst nicht mit, ob sie gegen den Verstoss weiter vorgehen werde. Sollten sich die Medienberichte als wahr herausstellen, würde dies ernsthafte Gespräche mit Kolumbiens Regierung nach sich ziehen, hatte es zuvor von Seiten der IKRK-Delegation geheissen.

Künftige IKRK-Arbeit belastet

Der Missbrauch der Rotkreuz-Symbole stellt eine grosse Belastung für mögliche künftige Geiselfreilassungen in Kolumbien dar, weil es meist IKRK-Mitarbeiter sind, denen die Opfer übergeben werden. (SDA/hhs)

Logo war auch bisher kein Schutz

Die Missachtung internationaler Symbole ist keine Seltenheit in Kolumbien. So hat die marxistische Rebellengruppe «Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens» (FARC) wiederholt auch Ambulanzen beschossen, die mit dem Rotkreuz-Symbol gekennzeichnet waren. Zur Begründung sagten sie, die Fahrzeuge seien zum Transport von Soldaten missbraucht worden. Nach den Genfer Konventionen sind die Symbole des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes geschützt und dürfen nur von den entsprechenden Gesellschaften genutzt werden.

Schweizer Botschafter intervenierte in Bogotá

BERN – Nachdem bekannt wurde, dass die kolumbianische Justiz ein Strafverfahren gegen den Schweizer Vermittler Jean-Pierre Gontard ins Auge fasst, hat nun auch der Schweizer Botschafter in Kolumbien interveniert. Thomas Kupfer wurde gestern im Aussenministerium vorstellig. Gleichzeitig wurde die kolumbianische Botschafterin Claudia Jiménez ins Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bestellt. Zum Inhalt der Gespräche wollte sich EDA-Sprecher Jean-Philippe Jeannerat nicht äussern.
play Alvaro Uribe zeigte sich nach Befreiung stolz mit Ex-Geisel Ingrid Betancourt. Doch bei der Aktion verstiessen die kolumbischen Truppen gegen die Genfer Konvention. (Reuters)

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