Vier Tote Taliban-Anschlag auf deutsches Konsulat in Afghanistan

In der afghanischen Stadt Mazar ist es am Donnerstagabend nahe des deutschen Konsulats zu einer schweren Explosion gekommen.

Masar-e Scharif: Taliban greifen deutsches Konsulat in Afghanistan an play
Das Generalkonsulat in Masar-i-Scharif. DPA/ARCHIV

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Nach einem Angriff der radikalislamischen Taliban-Milizen auf das deutsche Generalkonsulat in der nordafghanischen Stadt Masar-i-Scharif ist die Zahl der Toten auf mindestens vier gestiegen. Das sagte der Leiter des grossen Zivilspitals, Nur Mohammed Fais, in der Nacht zum Freitag.

Zuvor hatte er von zwei Toten gesprochen. Alle vier Toten seien Afghanen. Auch die Zahl der Verletzten stieg von rund 110 auf 119.

Die Lage sei unter Kontrolle, sagte der Polizeichef der Provinz am Donnerstagabend.

Nach Auskunft der afghanischen Polizei soll es bei dem Angriff der radikalislamischen Taliban wohl nur einen Angreifer gegeben haben. Deutsche Truppen hätten das Konsulat Zimmer für Zimmer durchkämmt, seien aber nicht auf weiteren Widerstand gestossen, sagte Polizeichef Saied Kamal Sadat.

Der Attentäter habe eine Lastwagenbombe gegen eine Mauer des Konsulats gefahren, sagte Sadat weiter. Es habe sich um einen Kohlelaster gehandelt. Der Sprengstoff seien unter Kohlebrocken verborgen gewesen. In der unmittelbaren Gegend sei nach der Explosion der Strom ausgefallen. Der Rest der Stadt habe aber Strom.

110 Verletzte

Die Explosion sei so schwer gewesen, dass viele Fenster in Gebäuden im Umkreis zerbrochen sein. Dies habe die meisten Verletzungen verursacht. Nach Angaben der Behörden gibt es mindestens zwei Tote ausserhalb des Konsulats, die Zahl der Verletzten stieg auf 110.

Anwohner hatten von einer gewaltigen Explosion berichtet, die einen mehrere Meter tiefen Krater in die Strasse vor dem Konsulat gerissen hatte. Nach der Explosion waren Schüsse zu hören, Anwohner liefen in Panik davon. Soldaten einer afghanischen Spezialeinheit riegelten den Tatort ab. Auch Helikopter waren im Einsatz.

Krisenstab in Berlin einberufen

In Berlin kam am Abend auf Weisung des deutschen Aussenministers Frank Walter Steinmeier der Krisenstab zusammen, wie aus dem Auswärtigen Amt verlautete. Der Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam sagte, die Explosion habe sich gegen 23.00 Uhr Ortszeit ereignet.

Inzwischen befänden sich auch Soldaten der Schnellen Eingreiftruppe aus dem Bundeswehrcamp Marmal in Masar-i-Scharif vor Ort, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Ob der Angriff andauere, könne er nicht sagen.

Vergeltung für NATO-Angriff

Die Taliban bezeichneten den Anschlag in Masar-i-Scharif als Vergeltung für einen NATO-Luftangriff in der Provinz Kundus, bei dem in der vergangenen Woche womöglich mehr als 30 Zivilisten getötet worden waren. Die UNO und die NATO hatten nach heftigen Protesten eine Untersuchung angekündigt. Das US-Militär räumte ein, dass bei dem Einsatz «sehr wahrscheinlich» Zivilisten getötet worden seien.

In der im Internet veröffentlichten Stellungnahme der Taliban hiess es, die «Märtyrer-Attacke» habe gegen 23 Uhr nachts begonnen und werde von heiligen Kriegern (Mudschahedin) des Islamischen Emirats durchgeführt.

Die USA und ihre Verbündeten beendeten Ende 2014 ihren Kampfeinsatz in Afghanistan und übergaben die Verantwortung für die Sicherheit den afghanischen Sicherheitskräften. Die verbleibenden NATO-Truppen konzentrierten sich seitdem auf Ausbildung, Beratung und Unterstützung von Anti-Terror-Einsätzen.

Mehrere Rückschläge im Kampf gegen die Taliban liessen aber Zweifel an der Schlagkraft der afghanischen Polizei und Armee aufkommen. US-Soldaten beteiligen sich daher seit diesem Jahr wieder direkter am Kampf gegen die Taliban. (SDA)

Publiziert am 10.11.2016 | Aktualisiert am 11.11.2016
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3 Kommentare
  • Josi  Josua aus Zug
    11.11.2016
    Es war ein nicht gerrechtfertigter Krieg. Wo es um Ressourcen gegangen ist und Exportwirtschaft.
    Was wäre wenn Afgahnen Deutschland besetzten würde, dann würde hier jetzt stehen Deutsche Rebellen verteidigen sich. Aber diesem Fall ist es ein Angriff.

    Immer schön beide Seiten anschauen und endlich verstehen die ganzen Ländern werden illegal besetzt.
  • Boris  Kerzenmacher 10.11.2016
    2)
    Dazwischen die Bundeswehr, die seit Jahren "unsere Freiheit am Hindukusch" verteidigt, in Wirklichkeit aber damit beschäftigt ist sich selber zu schützen, ohne dort etwas zu erreichen, aber dem Effekt, dass immer mehr der Scharia-Befürworter in den Sozialsystemen in Deutschland leben.
    Was soll ein D-Konsulat in Masar-i-Scharif? Lasst die Afghanen ihr Ding machen, ihre Problem lösen oder damit leben. Und hört auf, die Probleme nach Europa zu holen. Das gilt auch für alle europäische Staaten.
  • Thomas  Zürcher 10.11.2016
    Wahnsinn ein Krieg ohne Ende mit über 68000 Toten und vor allem ein Krieg der NICHT zu gewinnen ist.Seit 1979 versuchen fremde Mächte wie Russland,die USA oder jetzt die Nato Einfluss zu nehmen in diesem Land aber ohne Erfolg.