Terror in Europa Unheimlich: Spuren führen zu 9/11-Terrorist

  • Publiziert: 29.09.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Michael Scharenberg

ZÜRICH - Die Amerikaner wollen Terror-Anschläge in Europa verhindert haben. Unheimlich ist, dass die Spuren wieder nach Hamburg führen: zu Islamisten, die Kontakt mit den 9/11-Terroristen hatten.

Sollten in europäischen ? Hauptquelle für diesen Verdacht ist der aus Hamburg stammende Ahmad S., 36. Das berichtet «Spiegel.de». Dieser Mann sei Anfang Juli in der afghanischen Hauptstadt Kabul aufgegriffen worden. Seither wird S. von amerikanischen Spezialisten im dortigen US-Militärgefängnis Bagram verhört. Dabei soll er ausführlich über Anschlagsszenarien in der Bundesrepublik und benachbarten europäischen Ländern «gesungen» haben.

Unheimlich: Ahmed S. ist bestens bekannt mit Islamisten der Hamburger Taiba-Moschee. Hier haben sich bereits einige der Todespiloten des 11. September gen Mekka verneigt. Offenbar hatte S. schon damals gute Kontakte zu den Verschwörer. Beispiel: S. fuhr den Vater des wegen Beteiligung an den Anschlägen in den USA verurteilten Mounir al-Motassadeq öfter zu Haftbesuchen. Und machte 2002 mit dessen Familie Ferien in Marokko.

Auch in Pakistan selbst sollen die Behörden alarmiert sein. Sie sprechen von einer Anschlagsserie im Land. Und haben deswegen ausländische Botschaften und Hilfsorganisationen zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen.

Serie von Drohnen-Angriffen

Mit einer Serie von Drohnen-Angriffen in Nordpakistan wollen die Amerikaner die für Europa geplanten Angriffe vereitelt haben. «Ja, es hat solche Angriffe gegeben», bestätigt der schweizerisch-pakistanische Doppelbürger Dr. Yahya Hassan Bajwa, der sich wegen seiner Entwicklungsprojekte gerade in Pakistan aufhält, gegenüber Blick.ch. «Allein im September wurden 21 Drohnen-Attacken durchgeführt. Dabei soll sogar der regionale Al-Kaida-Führer Sheikh al Fateh al Misri getötet worden sein.»

Doch ein Zusammenhang mit möglichen Terroranschlägen in Europa kann Bajwa nicht erkennen: «Hiesige Zeitungen melden, dass die pakistanische Regierung die Angriffe verurteilt habe. Und die Amerikaner hätten sich entschuldigt und von Komunikationsproblemen gesprochen.»

Propaganda-Coup von Al Kaida?

Terrorexperte Rolf Tophoven sagt zu Blick.ch: «Kann sein, dass das Ganze nur ein neuer Propaganda-Coup von Al-Kaida-Boss Osama bin Laden ist.» Er unterstützt aber die Drohnen-Angriffe der Amerikaner: «Diese sind eine wirksame Waffe gegen die Islamisten.»

Die europäischen Geheimdienste mauern derzeit. Auskünfte gegenüber den Medien werden nicht erteilt.

Immerhin warnen die Sicherheitsbehörden in Frankreich seit Wochen vor einer konkreten Terrorgefahr. «Die Bedrohung ist real, unsere Überwachung ist verstärkt», hatte Innenminister Brice Hortefeux kürzlich erklärt. Gestern war zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen der Eiffelturm in Paris wegen einer Bombendrohung geräumt worden.

Frankreich in Gefahr

Herr Tophoven*, haben US-Drohnen uns vor Schlimmerem bewahrt?
Sie sind tatsächlich die effizienteste Waffe gegen die Terroristen.

Wie wahrscheinlich sind Anschläge in Europa?
Pakistan ist das Zentrum der islamistischen Terroraktivitäten. Die Frage ist, in wie weit die Terroristen in der Lage sind, spektakuläre Attentate durchzuführen.

Wie kann sich ein Land gegen Terror wappnen?
Es muss islamische Zentren im Auge behalten. Aber auf die Gefahr eines Einzeltäters, der sich die Bomben selbst bastelt, kann man sich nicht vorbereiten.

Wo in Europa ist die Terrorgefahr am grössten?
In Frankreich ist die Situation wirklich ernst.

*Der Deutsche Rolf Tophoven (72) ist einer der bekanntesten Teror-Experten.

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