Sprache der Schlangenwörter Hier lernt Dominique Rinderknecht Türkisch

Ex-Miss-Schweiz Dominique Rinderknecht büffelt Türkisch und findet es trotz komplett anderer Grammatik nicht einmal so schwierig.

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Uygarlaştıramadıklarımızdanmışsınızcasına. 1 Wort, 41 Buchstaben. Damit ist gesagt, wofür es im Deutschen 18 Wörter braucht: «Wir haben versucht, Sie zu zivilisieren, aber aufgrund Ihres Benehmens scheint es, dass wir Sie nicht zivilisieren können.»

Dominique Rinderknecht (27), Moderatorin, Miss Schweiz 2013 und Model, liest das Wort ohne Aussprachefehler vor – ohne ansatzweise zu wissen, was es heisst. «Das ist das Gute am Türkisch: Es wird so ausgesprochen, wie man es schreibt», sagt sie, die seit gut einem Jahr Türkisch lernt. «Und dass es kein der, die, das gibt, ist das Allerbeste. Das macht alles viel entspannter.»

Vier Buchstaben sind speziell im türkischen Alphabet, das übrigens ohne die Buchstaben Q, W und X auskommt: ç («tsch»), ğ (Dehnungs-H), ı («uä») und ş («sch»).

«Eine Sprache nimmt mir niemand»

Ursprünglich begann Rinderknecht wegen ihres Ex-Freundes Goek Gürsoy (35) mit dem Sprachunterricht. «Wenn wir seine Freunde in Istanbul besuchten, wurde mir schnell langweilig, weil ich nichts verstand.» Trotz der kürzlichen Trennung von Gürsoy will sie weiterbüffeln. «Eine Sprache nimmt mir niemand. Und es ist unglaublich schön, wie Türken reagieren, wenn ich sie auf Türkisch anspreche. Sogar in der Kebab-Bude.»

Türkisch ist eine agglutinierende (lat. «ankleben») Sprache, das heisst, die definierenden Endungen, zum Beispiel Person, Zeit, Fall, werden an den Wortstamm angehängt. «Das deutsche Sprachverständnis muss man komplett ausschalten im Türkischunterricht», sagt Rinderknechts Lehrerin Güher Haus (39). «Wer dauernd nach dem Warum fragt und die Satzstruktur analysiert, macht sich das Leben schwer.»

Die gebürtige Türkin aus Istanbul unterrichtet seit neun Jahren an der Lal Sprachschule an der Zürcher Bahnhofstrasse. «Schweizer Schüler haben einen grossen Vorteil: Die Aussprache mit den vielen ü und ö ist keine Sache», sagt Güher Haus. «Und da wir viele Lehnwörter aus dem Französischen haben, zum Beispiel Kuaför oder Randevu, trifft man immer wieder auf alte Bekannte.»

Einen Satz hat sich Schülerin Rinderknecht besonders gut eingeprägt – er empfiehlt sich in der Welt der Schlangenwörter für alle: «Yavaş lütfen – langsam bitte!» 

Kommt Ihnen das bekannt vor?

Türkische Lehnwörter:

Hoparlör (frz. haut-parleur, Lautsprecher)

Bisiklet (frz. biciclette, Velo)

Şoför (frz. chauffeur)

Fondöten (frz. Fond-de-teint, Flüssig-Make-up)

Kuaför (frz. coiffeur)

Randevu (frz. rendez-vous, Verabredung)

Mayo (frz. maillot de bain, Badehose)

Antrenman (frz. entraînement, Training)

Şalter (dt. Schalter)

Şinitsel (dt. Schnitzel)

Publiziert am 10.10.2016 | Aktualisiert am 27.10.2016
BLICK-Sonderwoche zur Türkei

Mit alles – und scharf!

Syrien-Krieg, Flüchtlinge, Modernisierung des Islams – in wichtigen Fragen ist die Türkei der Staat, auf den es ankommt. BLICK widmet dem Land eine Sonderwoche. Jeden Tag mit spannenden Geschichten. Natürlich geht es auch um Kebab, Döner und Strandferien.

Tippt man «Muselmann» in den Computer – den heute verpönten Begriff für Muslim –, ändert das Korrekturprogramm das Wort in «Muskelmann». Als ob es wüsste, worum es im BLICK-Schwerpunkt zur Türkei von dieser Woche geht.

Natürlich auch um Recep Tayyip Erdogan (62), den starken Mann vom Bosporus. Seit dem undurchsichtigen Putschversuch von Mitte Juli lässt der Präsident seine Muskeln spielen, dass es zum Fürchten ist. Ist die Türkei, die er derzeit von allem und allen Unliebsamen säubern lässt, schon eine Diktatur? Oder doch noch eine Demokratie? Eine der Fragen, die uns beschäftigt.

Wie sich die Türkei entwickelt, ist von Bedeutung für die Welt, von entscheidender gar für Europa und damit für uns.Syrien-Krieg, Flüchtlinge, Modernisierung des Islams – in zentralen Fragen ist das Land ein Schlüsselstaat. Gehört das Nato-Mitglied, das der EU beitreten will und bisweilen erpresserisch darauf pocht, zum Westen? Oder eher und lieber, wie viele denken, doch nicht?

BLICK widmet diese Woche der Türkei jeden Tag spannende Beiträge. Unsere Reporter berichten aus Istanbul, der Feriendestination Antalya, aus Flüchtlingslagern. Dazu liefern Experten ihre Einschätzungen. Wir schauen aber auch den Döner genauer an, besuchen türkische Gemüsehändler in der Schweiz und beantworten die Frage, was es mit dem «Muselmann» wirklich auf sich hat.Freuen Sie sich auf eine abwechslungsreiche türkische Woche – natürlich mit alles und scharf!

Andreas Dietrich

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4 Kommentare
  • Paul  Entlebucher 10.10.2016
    Ich lerne vorwiegend Sprachen von Ländern, die mir sympathisch sind. Dazu gehört die Türkei momentan leider nicht.
  • Melissa  Baumann 10.10.2016
    Da ich nicht im Sinn habe in der Türkei zu gehen, brauche ich die Sprache nicht. Für diejenigen die hier sind, die sollten Deutsch lernen, so wie ich es auch musste. Niemand hat hier vor 40 Jahren Englisch gesprochen!
    • Marco  Weber 10.10.2016
      Aber es wird noch erlaubt sein wenn man will das man andere Sprachen lernen darf oder Frau Baumann? Oder ist das per Baumannschem Gesetz ab sofort verboten?
    • Marco  Weber 10.10.2016
      Frau Baumann man darf aber Sprachen lernen wenn man dies will oder? Es steht doch jedem frei Sprachen zu lernen die er will oder etwa nicht?