Die Vergangenheit holt die Türkei immer wieder ein Reizwort Armenier, Streitpunkt Völkermord

Am 2. Juni 2016 beschloss der Deutsche Bundestag den Massenmord an den Armeniern als Völkermord zu bezeichnen. Doch die heutige Türkei sieht das klar anders.

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Deportation: Zwischen 800'000 bis 1,5 Millionen Armenier starben. KEYSTONE

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Die Diskussion um den Massenmord an den Armeniern im Ersten Weltkrieg stösst den Türken sauer auf. Ihre Empörung war gross, als der Deutsche Bundestag am 2. Juni 2016 bei ­einer Gegenstimme und einer Enthaltung beschloss, das monströse Verbrechen als Völkermord zu bezeichnen. Die Türkei rief ihren Botschafter in Berlin zurück.

Die Bundesregierung versuchte zu schlichten, um den Nato-Partner Türkei nicht zu verärgern: Es sei nicht ihr Entscheid, sondern jener des Parlaments. Kanzlerin Angela Merkel, Vizekanzler Sigmar Gabriel und Aussenminister Frank-Walter Steinmeier waren der Debatte ferngeblieben.

Der Massenmord forderte in den Jahren 1915 und 1916 je nach Schätzung zwischen 800'000 und 1,5 Millionen Tote. Der Hintergrund: Die türkischen Behörden hatten in Istanbul die gesamte Führungsschicht des armenischen Volkes verhaftet, Politiker, Priester, Kulturschaffende. Die osmanische Führung warf der christlichen Minderheit vor, mit dem Feind Russland zu kollaborieren. Bald darauf begannen Vertreibung und Vernichtung.

Länder wie Frankreich, Österreich, Schweden und auch der Vatikan stufen den Massenmord als Völkermord ein. Auch der Schweizer Nationalrat hat ihn 2003 als Völkermord anerkannt. Die USA tun sich schwer, weil sie die Türkei als Nato-Partner brauchen. Die Europäische Union erklärte: Den EU-Beitritt gibt es nur, wenn die Türkei den Völkermord anerkennt.

Für die heutige Türkei ist das Massaker kein Völkermord. Im Geschichtsunterricht wird den Kindern beigebracht, dass aufständische Armenier umgesiedelt werden mussten, um die anderen Armenier zu schützen.

Völkermord ist laut den Vereinten Nationen ein Straftatbestand im Völkerrecht, der nie verjährt. Weil er die Vernichtung einer nationalen, ethnischen, rassischen oder religiösen Gruppe zum Ziel hat, gilt er als «das Verbrechen der Verbrechen».

Publiziert am 16.10.2016 | Aktualisiert am 08.12.2016
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2 Kommentare
  • Caner   Toker 17.10.2016
    Erdogan hat 2013 ein Vorschlag gemacht. Das beide Länder ihre Archive für unabhängige Historiker öffnen um alles was passiert ist zu untersuchen. Die Armenische Führung hat das abgelehnt warum? Es gibt keine Handfeste Beweise und ohne Beweise ist es eine Behauptung.
  • süleyman  kovanci 16.10.2016
    Solche heikle themen sollten die unabhaengigen historiker aufarbeiten und entscheiden, und nicht die jeweiligen parlamente.Parlamente sind nicht da, um ereignisse die in der vergangenheit geschehen sind zu bearbeiten und entscheiden.