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VON GEORGES WÜTHRICH
Arnold Bolliger, Chef des Stabes für Krisenmanagement (Sindec) im Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement, glaubte nicht richtig gehört zu haben: «Aus den Kantonen kamen laufend Meldungen, dass die Identifizierung von Todesopfern nur mit Zahnschemen möglich ist, die in Ungarn liegen.»
Bolliger ist verantwortlich für das Schweizer Disaster Victim Identification Team (DVI), das in Thailand unter fürchterlichen Umständen Leichen identifizieren muss (BLICK berichtete).
Neben DNA-Proben sind Zahnschemen immer noch das tauglichste Instrument zur Identifizierung von Todesopfern.
Als Kantonspolizisten zu den Angehörigen in der ganzen Schweiz ausschwärmten, hörten sie immer wieder die Antwort: «Sie oder er war bei einem Zahnarzt in Ungarn.»
Ferien in Ungarn und nebenbei die Zähne flicken lassen – dieser Gesundheitstourismus boomt seit Jahren. Gleich carweise werden die Patienten nach Ungarn gebracht.
Die Behandlung, inklusive Reisekosten, kommt wesentlich günstiger zu stehen als in der Schweiz. Vor allem lohnen sich grössere Zahnersatz-Eingriffe.
«Ein Gebiss sieht nach einer solchen Behandlung ganz anders aus, deshalb ist die Polizei auf diese Zahnschemen angewiesen», erklärt Peter Jäger von der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft (SSO).
Schätzungsweise ein Dutzend Mal mussten ungarische Polizisten ausrücken, um Zahnschemen zu suchen. «In einigen Fällen kannten Angehörige die Adresse des Zahnarztes oder der Klinik. Einige wussten nur, dass der Zahnarzt in der Umgebung von Budapest praktiziert», berichtet Stabschef Arnold Bolliger. Für die ungarische Polizei viel Arbeit.
Am kommenden Donnerstag will der Krisenstab über die neuesten Vermisstenzahlen informieren. Dabei wird es sich erstmals um polizeilich gesicherte Vermisste handeln.
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Bei einem Tsunami-Opfer wird ein Gebissabdruck zur Identifizierung genommen. (Keystone)