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Das Canisius-Kolleg ist wegen Missbrauchsvorwürfen in die Schlagzeilen geraten. (AP)
Der sexuelle Missbrauch von Berliner Schülern am katholischen Canisius-Gymnasium in den 70er und 80er Jahren hat keine strafrechtlichen Konsequenzen. «Die Taten sind verjährt», sagte heute der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner.
Unterdessen melden sich weitere Opfer. «Es werden immer mehr», sagte Anwältin Ursula Raue, die vom Jesuitenorden mit der Untersuchung der Berliner Fälle beauftragt wurde. Allein in Berlin haben sich bislang mehr als 30 Betroffene bei Anwältin Raue gemeldet.
Der Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, rief zu Offenheit beim Umgang mit Missbrauchsvorwürfen auf. An dem Elite-Kolleg begann der Unterricht nach den Ferien unter starken Sicherheitsvorkehrungen.
Noch andere Fälle
Die Verjährungsfrist für diese Form sexuellen Missbrauchs beträgt zehn Jahre ab dem 18. Geburtstag des Opfers und sei abgelaufen. Auch etwaige Vorwürfe an den Jesuiten-Orden wie Strafvereitelung oder unterlassene Hilfeleistung seien verjährt.
Zwei frühere Patres des Berliner Kollegs sollen sich über Jahre an Schülern vergangen haben. Ein dritter Pater, der Anfang der 70er Jahre auch in Berlin unterrichtete, gestand sexuelle Übergriffe auf Jugendliche in Hannover.
100 katholische Mitarbeiter verdächtigt
Inzwischen wurden auch Missbrauchsfälle in anderen kirchlichen Einrichtungen bekannt. Bundesweit sollen nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Spiegel» fast 100 Mitarbeiter der katholischen Kirche in den vergangenen 15 Jahren unter Verdacht geraten sein.
Der Missbrauch soll auf der Bischofskonferenz ab 22. Februar in Freiburg erörtert werden. Die katholische Kirche hatte bislang mit Scham und Schuldbekenntnissen, aber auch Schweigen auf den Missbrauchsskandal an deutschen Jesuiten-Schulen reagiert. (SDA/gca)