Treibt Moskau ein doppeltes Spiel?

  • Publiziert: 18.08.2008, Aktualisiert: 03.01.2012

MOSKAU – Heute Mittag will der Kreml seine Truppen aus Georgien abziehen. Nur: Der US-Geheimdienst berichtet davon, dass Russland statt dessen mehr Truppen und mehr Waffen nach Georgien schickt.

Statt abzuziehen scheinen die Russen aufzustocken. So sollen in Südossetien Raketenwerfer stationiert worden sein, die auch die georgische Hauptstadt Tiflis unter Beschuss nehmen könnten. Dies berichtet die «New York Times» unter Berufung auf US-Geheimdienstkreise.

Die Geheimdienstler sind überzeugt, dass derzeit auch mehr russische Truppen in die Regiojn verlegt werden. Dies, obwohl der russische Präsident Dimitri Medwedew einen Abzug ab heute Mittag angekündigt hat.

Der Abzug Russlands ist gemäss «Spiegel Online» einer der wichtigsten Punkte des Waffenstillstandsabkommens, das von Russland und Georgien unterzeichnet worden war (Blick.ch berichtete). Dabei hat sich der Kreml offenbar ein Hintertürchen offen gelassen: Gestern wurde lediglich erklärt, dass die russischen Truppen sich nur zur Grenze zwischen Georgien und der abtrünnigen Region Südossetien zurückziehen würden. Von einem Abzug nach Russland war nicht die Rede.

Wanrungen aus dem Westen

Die Informationen des US-Geheimdienstes dürften den europäischen Machthabern wenig gefallen. Angela Merkel sagte gestern in Tiflis, der Abzug der Russen sei jetzt vorrangig. Ein weiterer Aufschub könne nicht geduldet werden.

Und auch der französische Präsident Nicolas Sarkozy warnte vor «ernsten Konsequenzen». Sollte Russland nicht sofort abziehen, werde er einen EU-Sondergipfel einberufen. «Dieser Punkt ist in meinem Augen nicht verhandelbar. Er muss alle russischen Streitkräfte betreffen, die seit dem 7. August nach Georgien gekommen sind», so Sarkozy.

Der US-Verteidigungsminister Robert Gates rechnet jedenfalls noch nicht mit einer Entspannung der Lage. Russland werde sich mit dem Abzug möglicherweise «mehr Zeit lassen, als uns allen lieb ist.» Es sei wichtig, dass der Westen den Druck auf Russland aufrechterhält.

Derzeit sollen über als 10000 russische Soldaten in Georgien und Südossetien stationiert sein. (gux)

Entfremdung verhindern

TIFLIS – Georgiens Präsident Michail Saakaschwili hat zu Verhandlungen mit Moskau über einen Ausweg aus dem Konflikt um die abtrünnige georgische Provinz Südossetien aufgerufen. «Lasst uns die Probleme mit zivilisierten Methoden lösen», sagte er. Es müsse darüber nachgedacht werden, wie eine «definitive Entfremdung» beider Länder verhindert werden könne, sagte Saakaschwili heute im Fensehen. Als Vorbedingung für Gespräche müssten sich die russischen Truppen allerdings unverzüglich zurückziehen.

Die staatliche russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti meldete, Russland habe mit dem Abzug seiner aus dem Konfliktgebiet begonnen. Ein erster Konvoi sei von der südossetischen Hauptstadt Zchinwali in Richtung Wladikawkas in der russischen Teilrepublik Nordossetien aufgebrochen berichtete die Agentur unter Berufung auf einen Korrespondenten im abtrünnigen Gebiet.

Eine offizielle Bestätigung seitens der russischen Militärführung lag zunächst nicht vor. Die russischen Truppen sollten nach Angaben von Präsident Dmitri Medwedew heute Mittag mit dem Abzug von ihren Stellungen in Georgien beginnen.

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