Touristen willkommen, Ärzte nicht!

  • Aktualisiert am 03.01.2012
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RANGUN – Die Militär-Junta in Burma treibt die Retter in den Wahnsinn: Mit Tricks und letztem Einsatz versuchen diese trotzdem, den Opfern in der Nargis-«Todeszone» zu helfen.

Der französische Arzt kann seinen Frust vor einer burmesischen Botschaft in Singapur kaum bändigen: «Gerade ist eine Frau herausgekommen, mit einem Touristenvisum. Touristen sind willkommen, Ärzte nicht», faucht er in eine Fernsehkamera.

Er hat wie hunderte andere Nothelfer keine Chance – ausländische Ärzte, Logistiker und Techniker dürfen nicht ins Katastrophengebiet, wo hunderttausende Zyklon-Opfer verzweifelt auf Hilfe warten.

Die herzlosen Militärs von Burmas Junta wollen selbst bestimmen, wer welche Hilfe bekommt. Auch wenn sie damit das Leben von zehntausenden Nargis-Opfern aufs Spiel setzen.

Hilfsgüter verteilt nur die Junta

China, Russland, Thailand haben ihre Hilfe wie verlangt den Soldaten ausgehändigt. Auch die USA. Diplomaten konnten zwar das Entladen der US-Militärmaschinen in Rangun überwachen. Doch wo die Nahrungsmittel, Medikamente und das Rettungs-Material letztendlich landen, weiss niemand.

Ein bisschen besser dran sind Hilfsorganisationen, die Personal im Land haben. Ihre einheimischen Mitarbeiter dürfen – anders als Ausländer – in die «Todeszone». Doch es fehlt überall an geeignetem Personal.

Ingenieure gesucht

Die Not macht erfinderisch: «Wir haben Rangun abgesucht und 30 Ingenieure ausfindig gemacht», sagt John Sparrow vom Roten Kreuz. «Zehn haben wir schon angeheuert und ausgebildet.» Sie sollen Wasseraufbereitungsanlagen aus Deutschland bedienen, die das Rote Kreuz nur ohne die dazugehörigen Techniker nach Rangun schickten konnte.

Die Organisation World Vision holt einige der mehr als 500 einheimischen Mitarbeiter zum Training nach Bangkok. «Sie lernen in drei Tagen, wie man Sanitäranlagen aufbaut und wartet», sagt James East in Bangkok. «Die nächste Gruppe macht einen Schnellkurs in Buchhaltung.»

Leben aufs Spiel gesetzt

Zudem suche World Vision im Ausland Exil-Burmesen, die als Helfer in ihre Heimat gehen wollen. Auch Médecins sans Frontières hat im Irrawaddy-Delta zusätzlich Einheimische eingestellt. Das alles ändert nichts daran, dass die Junta mit ihrem Widerstand gegen ausländische Experten das Leben der Opfer aufs Spiel setzt. (SDA/bih)

Reisknappheit droht!

BANGKOK – Burma braucht dringend Reissamen und Dünger, um die Versorgung der Bevölkerung für den Rest des Jahres sicherzustellen, warnt die Welternährungs-Organisation. Die Bauern hätten ihre gesamten Vorräte aus der Ernte in März und April verloren, ebenso die Samen für die neue Aussaat, sagte FAO-Sprecher Diderik de Vleschauwer. «Es ist ein Wettlauf mit der Zeit», betonte er. Wenn die zerstörten Felder im Irrawaddy-Delta nicht bis Ende Juni bepflanzt würden, drohe schwerer Reismangel. (SDA)

134'000 Toten und Vermisste?

RANGUN – Wochen nach dem Wirbelsturm «Nargis» in Burma lässt das Regime erstmals ausländische Diplomaten in die besonders betroffenen Katastrophengebiete. Die Behörden gehen inzwischen von fast 78000 Toten und 56000 Vermissten aus. Die ausländischen Diplomaten sollten am Samstag per Helikopter in einige Regionen des Irawadi-Deltas im Süden des Landes gebracht werden.

Erst jeder Vierte erhielt Hilfe

GENF – Die Internationale Föderation des Roten Kreuzes und Roten Halbmondes (IFRC) hat einen Spendenaufruf für Burma von 52 Millionen Franken an die Geberländer gerichtet. Bisher erhielt erst ein Viertel der zwei Millionen Zyklon-Opfer Hilfe. «Wir sind mit einer humanitären Katastrophe von gigantischem Ausmass konfrontiert», erklärte IFRC-Generalsekretär Markku Niskala. Viele Opfer hätten bisher weder Trinkwasser noch Lebensmittel erhalten.
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