Toter vom Adria-Drama lebte in Zürich Er starb bei der Flucht von Bord

ATHEN/ROM - Nach dem Ausbruch eines Feuers an Bord einer Adria-Fähre harren noch immer 194 Menschen auf dem Schiff aus. Die Rettungskräfte sind durchgängig im Einsatz. Für einen in Zürich wohnhaften Griechen kam jede Hilfe zu spät.

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Wie die italienische Marine heute Morgen mitteilte, wurden bislang 284 Menschen von der «Norman Atlantic» gerettet. 194 weitere befanden sich demnach noch auf dem Schiff. Der Marine zufolge wurden inzwischen Ärzte an Bord gebracht.

«Neujahr mit den Kindern verbringen»

Mindestens eine Person kam bei dem gestrigen Schiffsunglück in der Adria ums Leben. Wie die griechische Online-Zeitung protothema.gr berichtet, handelt es sich dabei um den in Zürich wohnhaften Griechen Georgios D.* (67). Den Angaben zufolge starb er beim Abgang von Bord beim Versuch, in ein Rettungsboot umzusteigen.

Die Zeitung sprach mit der Nichte des Opfers. «Mein Onkel war in Griechenland in den Ferien und wollte zurück nach Zürich, um Neujahr mit den Kindern zu verbringen.»

Die Ehefrau von D. wurde verletzt in ein Spital im italienischen Brindisi gebracht.

Die Fähre der griechischen Anek Lines war auf dem Weg von Patras in Griechenland nach Ancona in Italien gewesen, als am frühen Sonntagmorgen nordwestlich der Insel Korfu vermutlich auf dem Autodeck ein Feuer ausbrach.  

Das Schiff trieb anschliessend manövrierunfähig zwischen der italienischen und albanischen Küste. 478 Menschen waren insgesamt an Bord. Sturm und hohe Wellen erschwerten den Hilfseinsatz.

Gerettete Schweizer wohlauf

Bis Mitternacht wurden nach Marine-Angaben 190 Menschen gerettet. Von den zehn Schweizern, die sich nach griechischen Angaben auf der Fähre befanden, wurden laut dem Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) deren sechs am frühen Abend vom Schiff gebracht. Ausserdem sei eine Begleitperson ausländischer Nationalität gerettet worden.

Alle diese sieben Geretteten seien wohlauf, teilte das EDA am heute Morgen mit. Vier der sieben Personen befänden sich in Spitalpflege in Süditalien, die restlichen drei auf Rettungsschiffen. Vier Schweizer befanden sich somit am Morgen noch an Bord der Fähre.

Die Fähre werde nach Angaben der Behörden in einen süditalienischen Hafen geschleppt, wo sie noch heute Morgen ankommen solle, teilte das EDA weiter mit. Bundespräsident Didier Burkhalter werde regelmässig über die Lage orientiert.

Die meisten der Geretteten wurden mit Helikoptern auf andere Schiffe gebracht, die zur Hilfe geeilt waren. Mehrere Menschen, darunter eine Schwangere und Kinder, kamen ins Spital.

Die Flammen an Bord der Fähre seien unter Kontrolle, meldete die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Es könnte jedoch weitere Glutnester im Inneren des Schiffes geben, und es qualme weiter. Das italienische Marine-Schiff «San Giorgio» übernahm am Sonntagabend die Einsatzleitung. Wohin die Fähre geschleppt wird, war noch nicht ganz klar – möglicherweise ins süditalienische Brindisi.

War das Schiff überladen?

Über die Ursache des Brandes auf dem Schiff wurde weiter spekuliert. Möglicherweise waren Laster überladen. LKW-Fahrer berichteten in griechischen Medien, dass einige Fahrzeuge Olivenöl geladen hätten und dass das Fahrzeugdeck überladen gewesen sei. Ein Funke könne da schnell einen Brand auslösen.

Bei einer Kontrolle sollen Mängel auf dem Schiff festgestellt worden sein, unter anderem an Sicherheitstüren und bei der Beleuchtung. Der Schiffsbauingenieur Giorgos Margetis sagte dem griechischen Sender Skai, die Schäden könnten aber nicht gravierend gewesen sein - andernfalls wäre die «Norman Atlantic» am Auslaufen gehindert worden. Die Reederei hatte betont, dass das Schiff fahrtüchtig gewesen sei. (SDA/noo)

*Name der Redaktion bekannt

Publiziert am 29.12.2014 | Aktualisiert am 29.12.2014
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