Tote auf beiden Seiten: Hier beginnt die Boden-Offensive im Gaza-Streifen

JERUSALEM - Israel hat seine Offensive im Gazastreifen drastisch ausgeweitet und Bodentruppen in das dicht besiedelte Palästinensergebiet geschickt. Erstmals wurde ein israelischer Soldat getötet, die palästinensische Seite hat jedoch viel mehr Opfer zu beklagen.

Hier beginnt die Bodenoffensive im Gazastreifen

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Etwa 20 Palästinenser wurden nach Angaben der Rettungsbehörden in Gaza seit dem Beginn der Offensive gegen die radikal-islamische Hamas am Donnerstagabend getötet. Darunter seien auch Kinder.

Die tödlichen Angriffe ereigneten sich demnach in Rafah, Chan Junis und Beit Hanun. Die Gesamtzahl der palästinensischen Todesopfer stieg seit Beginn der Luftangriffe auf 260.

Erster toter israelischer Soldat

Erstmals seit Anfang der Offensive im Palästinensergebiet vor elf Tagen kam auch ein israelischer Soldat ums Leben. Die Armee teilte am Freitag mit, er sei bei Kämpfen im Norden des Gazastreifens getötet worden.

Israel will mit der Bodenoffensive nach eigenen Angaben den ständigen Raketenbeschuss seines Staatsgebietes unterbinden. Für die Raketenangriffe auf Israel sind militante Gruppen im Gazastreifen verantwortlich. Darüber hinaus will die Armee im kleinen Palästinensergebiet am Mittelmeer ein weit verzweigtes Tunnelsystem zerstören.

«Infrastruktur angreifen»

Armeesprecher Arje Schalikar erklärte, die Soldaten seien im Einsatz, um die «Infrastruktur» der Hamas anzugreifen. Am Morgen teilte die Armee mit, die aus Infanterie, Panzertruppen, Pionieren und Aufklärungseinheiten zusammengesetzten Verbände hätten in der Nacht 20 verborgene Raketenwerfer zerstört und 9 Tunnel angegriffen. Insgesamt seien bis dahin 103 «Terrorziele» attackiert worden.

Und ein Abbruch der Offensive ist nicht in Sicht: Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, Israel sei bereit, die Offensive «erheblich» auszuweiten. Er habe angeordnet, dass sich die Armee entsprechend darauf vorbereite, sagte Netanjahu vor Beratungen mit Regierungsmitgliedern, die über den Einsatz entscheiden.

Abbas besorgt

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas äusserte sich nach einem Bericht der palästinensischen Nachrichtenagentur «Wafa» zutiefst besorgt über die jüngste Entwicklung. Die Bodenoffensive werde die Bemühungen um eine Waffenruhe weiter erschweren, sagte Abbas in Kairo.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, er bedauere, dass «ein bereits gefährlicher Konflikt nun noch weiter eskaliert ist». Israel müsse nun noch «weit mehr tun, um zivile Opfer zu vermeiden».

US-Aussenminister John Kerry forderte in einem Telefonat mit Premierminister Netanjahu, die Bodenoffensive müsse sich «zielgerichtet» gegen die Tunnel richten. Eine «weitere Eskalation» der Lage müsse vermieden und der Waffenstillstand von 2012 «so schnell wie möglich» wieder hergestellt werden.

Ägypten verurteilt Eskalation

Auch die in dem Konflikt vermittelnde ägyptische Regierung verurteilte die weitere Eskalation des Konflikts, kritisierte aber vor allem die Islamisten der Hamas: «Hätte die Hamas die ägyptischen Vorschläge akzeptiert, wäre seitdem das Leben Dutzender Palästinenser verschont geblieben», sagte Aussenminister Samech Schukri.

Kairo hatte am Dienstag Pläne für einen Waffenstillstand vorgelegt, die von Israel akzeptiert und von der Hamas abgelehnt wurden.

In der Türkei kam es zu Protesten gegen die Bodenoffensive im Gazastreifen. Demonstranten griffen die diplomatischen Vertretungen Israels in Istanbul und Ankara an und warfen Scheiben ein. In Istanbul setzte die Polizei Tränengas und Wasserwerfer ein. In Ankara griffen die Beamten nicht ein. (bau/SDA)

Publiziert am 18.07.2014 | Aktualisiert am 18.07.2014
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13 Kommentare
  • Rolf  Bieri aus Sursee
    18.07.2014
    Tönt natürlich super, wenn Israel sagen kann: Jetzt haben wir die Palästinenser extra einmal für wenige Stunden nicht terrorisiert und trotzdem werfen sie mit Steinen. Eine ganz klare Legitimation für die Ermordung von x hundert unschuldigen Zivilisten.
  • Vreni  Kuster , via Facebook 18.07.2014
    es wird doch dort NIE Frieden geben, weil beide Parteien so stur sind.
  • Emil  Thommen aus Zug
    18.07.2014
    Minister President Benjamin Netanjahu will den Krieg
    und die ganze Welt erobern. Auf der Friedenskonferenz
    1919 in Paris forderten damals die Zionisten, dass
    Palaestina der Tuerkei weggenommen werden soll und
    ihnen gegeben werden soll. Israel ist das Problem und
    nicht Palaestina, mit Verhandlungen geht da nichts
    und das will auch Israel nicht, das passt denen nicht
    in ihre Strategie, langsam zeichnet sich das deutlich ab.

  • Goldhammer  Jakob 18.07.2014
    Nachdem 13 Terroristen durch einen Tunnel aus Gaza nach Israel gelangten und versuchten einen Anschlag auf einen Kibbutz zu verüben, entschied sich Israel für die Boden offensive. Welches Land würde dies nicht tun? Ich würde gerne wissen wie die Personen hier reagieren würden wenn sie Sonntags beim Grill in den Bunker rennen müssten, dies Tag für Tag und über mehrere Jahre. Ich denke wir Schweizer würden uns dies auch nicht gefallen lassen und würden genau so reagieren wie Israel.
    • Felix  Saxer aus Ruswil
      18.07.2014
      Welches andere Land besetzt schon widerrechtlich seit Jahrzehnten ein anderes Land? Welches andere Land hat schon etliche Male Friedensverträge unterzeichnet und dann nicht eingehalten, im Gegenteil die Drangsalierung der Palästinenser wurde stets verschärft und der Landraub aufs schlimmste ausgeweitet!
  • Daniel  Weilenmann aus Zürich
    18.07.2014
    Bei den Israeli ist es doch genauso wie bei anderen leiderfahrenen Menschen. Oft sind es Kinder die Gewalt erfahren haben, die später auch zur Gewalt greifen. Es ist sogar oft so, dass Kinder die sexuell missbraucht wurden, später auch diesen Trieb ausleben müssen. Und ich glaube die Israeli auf der ganzen Welt, haben nichts aus dem Krieg gelernt, den sie erleben mussten.