Angst vor Entlassung Topmanagerin verschanzt sich in Büro

  • Publiziert: 12.03.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
play Seit drei Tagen lebt sie in ihrem Büro: Christine Pujol. (ZBG)

PARIS – Sie ist die Chefin des wichtigsten französischen Hotelverbandes – noch. Christine Pujol steht kurz vor der Entlassung. Doch das will sie nicht akzeptieren.

Die Chefin des wichtigsten französischen Hotel- und Gastronomieverbandes hat sich in ihrem Büro verschanzt, um ihre Ablösung an der Spitze der Organisation zu verhindern. Christine Pujol hielt heute den dritten Tag in Folge in der Geschäftsstelle des Verbandes Umih aus.

Dies erklärte sie der Nachrichtenagentur AFP am Telefon. Zwei Nächte habe sie dort schon verbracht. Sie könne ihr Büro in Paris nicht verlassen, weil sie sonst daran gehindert werde, dorthin zurückzukehren. Zwei Wachleute vor ihrer Tür liessen auch keine Besucher zu ihr durch.

GV wählte sie ab

Pujol wehrt sich gegen die Rechtmässigkeit einer Abstimmung am Rande der Generalversammlung des Verbandes im November, auf der ihre Kritiker ihre Absetzung beschliessen liessen. Sie hatte dagegen Klage eingereicht.

Ein Pariser Gericht wies diese am Dienstag zunächst wegen eines Formfehlers zurück, in der Hauptsache wird aber erst noch entschieden. Pujol hatte sich darauf am Mittwoch gewaltsam Zugang zu ihrem Büro verschafft und harrt seitdem dort aus.

Ihre Gegner haben für Montag die Wahl eines neuen Präsidenten angekündigt und wollen Pujol nun «rausklagen»; eine Anhörung dazu findet am Dienstag vor Gericht statt.

Tiefere Mehrwertsteuer

Pujol, der mehrere Hotels und Restaurants im südfranzösischen Carcassonne gehören, leitet den Verband seit November 2008. Der Aufstand gegen sie hatte einige Monate nach der Senkung der Mehrwertsteuer für die Gastronomie von 19,6 auf 5,5 Prozent im vergangenen Sommer begonnen.

Die Branche war damals in die Kritik geraten, weil sie die Preise kaum senkte, worauf der französische Senat mit einer Wiedereinführung der vollen Mehrwertsteuer drohte. Ihre Kritiker warfen Pujol vor, sie habe in der Öffentlichkeit zu wenig klargemacht, dass die Wirte die Steuersenkung auch für den Erhalt von Arbeitsplätzen und Lohnerhöhungen genutzt hätten. (SDA)

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