Der BP-Chef in einem neuen Werbespot Tony Hayward redet sich um Kopf und Kragen

WASHINGTON – Ein neuer Werbespot rund um CEO Tony Hayward soll das Image des Ölkonzerns BP wieder ins rechte Licht rücken. Gemäss Umfragen und Experten erreicht er genau das Gegenteil.

  • Publiziert: 08.06.2010, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Natascha Eichholz

«Die Ölpest im Golf von Mexiko ist eine Tragödie, die nie hätte passieren dürfen» – mit diesem Satz beginnt ein einminütiger Spot des britischen Ölkonzerns BP. Darin wendet sich CEO Tony Hayward an die Öffentlichkeit, beteuert, dass BP alles tue, «damit so etwas nie wieder geschieht».

Die gross angelegte Werbeoffensive soll das schwer angeschlagene Image nach dem Untergang der Bohrinsel «Deepwater Horizon» vor fast sieben Wochen reparieren.

Barack Obama reagiert wütend

US-Präsident Barack Obama kritisierte bereits, dass BP zurzeit besser kein Geld für kostenspielige Werbeaktivitäten ausgeben sollte.

Der Schaffhauser Kommunikationsprofi Marcus Knill bezweifelt im Gespräch mit Blick.ch gar die Wirkung des Spots: «Die Menschen können erst wieder Vertrauen in BP fassen, wenn das Bohrloch gestopft ist und nicht, wenn noch die Hälfte des Öls weiter ausströmt.»

«Man nimmt Hayward die Betroffenheit nicht ab»

In der Werbung habe sich BP bemüht, nur beschönigende Bilder zu zeigen, darunter keine von ölverschmutzten Tieren. «Die von den Werbern erfolgreich gewählten Spot-Bilder können aber nicht die Bilder von verendenden Tieren negieren, die sonst überall zu sehen sind», sagt Knill.

CEO Tony Hayward ist für Knill zudem unglaubwürdig: «Ich behaupte, Laien merken, dass der CEO geschult wurde, Betroffenheit vorzuspielen. So nimmt man sie ihm nicht ab.»

«BP macht nur Kosmetik», sagt Knill. «Sie wiederholen das Gute immer wieder und zeigen es gross, das Schlechte wird im Spot beschönigt und klein oder gar nicht gezeigt.» So sagt Hayward am Ende des Spots: «Wir werden es schaffen. Wir werden es richtig machen.»

Dabei ist in der Kommunikation in Krisenzeiten laut Knill besonders wichtig: «Man muss zuerst einmal die Wahrheit sagen, damit die Menschen einem glauben können. Danach gilt es, echtes Mitgefühl zu zeigen und zu kommunizieren, wie genau man mit einem Problem umgeht, es löst und in Zukunft verhindert.»

Zwei Drittel sind gegen Hayward

Wegen seines misslungenen Krisenmanagements lässt die Öffentlichkeit kein gutes Haar am BP-CEO. Gemäss einer Umfrage der Meinungsforschungsfirma «Ace Metrix» halten 75 Prozent Hayward für die falsche Person, um BP aus der Ölpest-Katastrophe herauszuführen.

Während das Öl weiter in den Golf von Mexiko läuft, zog Grossbritannien indessen erste Lehren aus dem Unglück im Golf von Mexiko. Die Anzahl Kontrollen von Ölplattformen in der Nordsee soll künftig verdoppelt werden. Dies sagte heute Energieminister Chris Huhne in London. Eine eigens gegründete Organisation soll zudem sicherstellen, dass Grossbritannien immer ausreichend auf mögliche Katastrophen vorbereitet ist.

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