Idiotischer Trendsport Tödliche Mutprobe vom Hotel-Balkon

  • Publiziert: 12.08.2010, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Christian Bischoff

PALMA DE MALLORCA - Junge Feriengäste in Spanien haben einen brandgefährlichen Trendsport erfunden.

Sieben Jungs aus der Schweiz auf Gran Canaria. Ein Zimmer mit Balkon, der Hotelpool direkt darunter. «Es hat uns einfach gereizt», sagt Reto B.*

Die Show gehört den Festbrüdern aus dem Kanton Luzern: Mit Anlauf stürzen sie sich übers Balkongeländer in den Pool. Immer wieder.

Bis der Hotelmanager mit einem Fax ihres Reiseveranstalters wedelte: Noch ein Sprung, dann fliegt ihr raus, lautete die Botschaft aus der Schweiz. «Kurz darauf mussten wir uns eine neue Unterkunft suchen», lacht Reto.

Es gab schon Tote

Lustig finden die spanischen Behörden das allerdings nicht. «Balconing» ist eine Seuche in den Ferienhotels. Allein in diesem Juli starben vier junge Touristen beim Hecht übers Hotel-Geländer. Dutzende verletzten sich.

Seit Sommerbeginn wurden in den spanischen Ferienorten dreissig Unfälle gezählt, meldet «El Pais».

Die oft angetrunkenen Touristen begnügen sich dabei nicht mir dem Satz ins kühle Pool. Neue Varianten des Balconing greifen um sich: Der Sprung von Balkon zu Balkon oder – besonders idiotisch – der Sprung vom Balkon ganz ohne Pool als Landeplatz.

Sie saufen sich jede Hemmung weg

Kein Wunder spielt bei den Mutproben oft der Alkohol eine grosse Rolle: Die jungen Touristen saufen sich vorher jede Hemmung weg.

Wie jeder neue Trend verstärkt auch hier das Internet die Risikobereitschaft: Auf Webseiten, Blogs und Youtube-Videos sind die Grosstaten in den Sommerferien festgehalten. Je höher der Sprung, je riskanter die Landung, umso grösser die Aufmerksamkeit.

Sogar ein Idol haben die Balkon-Springer, wie «Le Matin» berichtet: Charly Garcia, ein argentinischer Musiker, soll mit einem Sprung aus dem neunten Stock seines Hotels das Phänomen begründet haben.

Viele Hotelbesitzer auf Mallorca haben nun reagiert: Strenge Regeln für ihre Hotelgäste und zusätzliche Patrouillen von Sicherheitsleuten sollen die Hotelgäste in Schach halten.

*Name der Redaktion bekannt

play Es mag ja lustig sein. Ist aber auch verdammt gefährlich. (Corbis)

Top 3

1 Teufelskerl! Mann springt aus 731 Metern Höhe – ohne Fallschirmbullet
2 Er wollte kein Hörgerät tragen Marvel kreiert Superhelden für Vierjährigenbullet
3 Auf Sardinien Schweizer (46) stürzt in den Todbullet

Ausland