Amoklauf mit 3 Toten im Ferienparadies Todesschüsse bei Polizeikontrolle

  • Publiziert: 05.08.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Gabriela Battaglia, Georg Nopper und Adrian Schulthess

BUDAPEST - Am Plattensee in Ungarn machte Balint S. aus Basel seit Montag Ferien. Im Häuschen seiner Oma.

Balint S.* (33) war ein guter Schütze. Am Feldschiessen Anfang Juni machte der Basler mit dem Sturmgewehr 90 beachtliche 61 Punkte.

Auch in der Nacht auf Mittwoch hatte Balint S. ein Gewehr dabei. Er stieg aus seinem schwarzen Skoda Octavia, legte an und schoss dem Polizisten Janos Gamauf (29) in den Kopf. Dann eröffnete er das Feuer auf ein Auto und tötete den Studenten Adam Nemeth (21) mit einem Schuss ins Herz.

Balint S. war seit Montag in den Ferien in Ungarn. Nahe Alsóörs am Plattensee hat seine Grossmutter ein Häuschen. Balint selber wurde in Ungarn geboren, kam aber schon als kleines Kind mit seiner Mutter in die Schweiz, er spricht perfekt Baseldeutsch.

Er lebte allein in Basel in einer Zweizimmerwohnung, arbeitete im Rheinhafen im Büro. Seine Mutter putzte bei ihm. Nachbarn beschreiben ihn als Einzelgänger, gut aussehend, mit raspelkurzen dunklen Haaren.

Balint S. trug stets Schwarz, erzählte gern vom Militärdienst. Damenbesuch hatte er zuletzt vor zwei Jahren. «Er war ein Tüpflischiiser, der immer Angst hatte, dass Haare von meiner Katze auf seine Hose geraten», sagt eine Nachbarin.

Der Steckbrief eines kaltblütigen Killers?

Die ungarische Polizei hat bisher folgenden Ablauf des Amoklaufes ermittelt:

Gegen 1.30 Uhr nachts will der Polizist Janos Gamauf einen Ford Fiesta kontrollieren. Darin sitzen fünf junge Leute, die auf dem Weg ins Ferienparadies am Plattensee sind. Er verlangt die Ausweispapiere.

Als der Polizist auch den Reifendruck überprüfen will, braust der Skoda von Balint S. heran. Er hält rund 40 Meter von der Polizeikontrolle entfernt an. Erschiesst Janos Gamauf und feuert auf den Ford Fiesta. Auf dem Rücksitz wird Adam Nemeth tödlich getroffen, ein weiterer junger Mann (25) schwer verletzt.

Der Schweizer ergreift die Flucht. Erst am Mittag finden die Ermittler sein Auto. Und darin die Leiche. Balint S. hat sich selbst gerichtet. Er trägt eine kugelsichere Weste und einen schwarzen Kapuzenpulli. Im Kofferraum stellt die Polizei ein Gewehr und mehrere Pistolen sicher.

Ungarische Medien verbreiteten gestern Gerüchte, Balint S. sei aus enttäuschter Liebe zum Mörder geworden. Er habe eine unglückliche Affäre mit dem getöteten Polizisten gehabt. Die Untersuchungsbehörden erklärten, sie hielten dies für «Geschwätz».

«Es ist unmöglich zu begreifen, was geschehen ist», sagt Istvan Nemeth, der Vater des getöteten Studenten. «Ein Freund meines Sohnes rief mich an und sagte, dass Adam erschossen worden sei. Ich dachte, er macht einen dummen Scherz, und legte das Telefon auf.»

Als die Mutter von Balint S. erfährt, dass ihr Sohn sich selbst und zwei Menschen getötet hat, fährt sie sofort los nach Ungarn. «Ich traf sie im Treppenhaus», sagt eine Nachbarin. «Sie weinte und sagte, dass Balint nie mehr zurückkommt.»

* Name der Redaktion bekannt

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