
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Der brutale Taxi-Killer Andrej W. – seit dem 11. Januar sitzt er auf der Anklagebank. Meist mit Sturmhaube, bis auf heute. Er spielt ein wirres Spiel mit den Gutachtern, schreibt seiner Dolmetscherin Jelena F. einen kranken Liebesbrief, hält sich abwechselnd mal für Stalin, mal für Jesus.
Andrej W. spricht
Kurz vor Ende des heutigen Verhandlungstages die grosse Überraschung: Andrej W. bricht sein Schweigen. Er gesteht alles. Mit grausigen Details schildert er seine Taten und sagt mehrfach, dass es ihm Leid tuhe. Er sagt: «Ich weiss nicht, was da mit mir los war. Ich kann mir das alles nicht erklären.» Seine Dolmetscherin kann fast nicht mehr, sie ringt mit ihrer Fassung.
Als unfeine Abschiedsgeste brüskiert er das Gericht erneut: «Ich denke, ich bin nicht schuldig.» Danach droht er mit Selbstmord. Und wundert sich, warum ihn die Familie der getöteten Hagenauer Taxi-Fahrerin nicht umgebracht hat. «Ich hätte das getan, wenn man meine Schwester ermordet hätte.»
Alles Kalkül?
Wohl ja. Die Nebenklage – die Angehörigen der Opfer – stuft das Verhalten des Angeklagten gegenüber dem psychiatrischen Gutachter als gespielt ein. Der Vorwurf: Die Verteidigung wolle so den Taxi-Killer in einer Psychiatrie unterbringen – dort erhoffe sich Andrej W. (28) laut «Suedkurier.de» Annehmlichkeiten», ein besseres Leben als im Knast unter den harten Jungs.
Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Nebenklage fordern lebenslange Haft; mehrere Mordmerkmale seien erfüllt. Umstritten bleibt die Schuldfähigkeit von Andrej W. – die Staatsanwaltschaft will ihn in der Psychiatrie unterbringen; die Nebenkläger nicht. Sie wollen Gefängnis mit anschliessender Sicherheitsverwahrung. Wie das Gericht entscheiden wird, ist noch offen. Das Urteil wird für Donnerstagnachmittag erwartet. (mik/rrt)