«Tamil Tigers»-Hochburg gefallen

  • Publiziert: 02.01.2009, Aktualisiert: 02.01.2012
play In der Hauptstadt Colombo freuen sich viele Einwohner über den Erfolg der Regierungstruppen. (AP)

COLOMBO – Die Rebellen auf der Insel Sri Lanka erlitten einen herben Verlust: Ihre Hochburg, die Stadt Kilinochchi wurde von Regierungstruppen erobert.

Die srilankische Armee hat heute Kilinochchi, die wichtigste Hochburg der tamilischen Rebellen, eingenommen. Präsident Mahinda Rajapakse sprach von einem «beispiellosen Sieg» der Regierungstruppen.

Die Einnahme der Stadt sei der immerwährende Traum aller Einwohner Sri Lankas – egal, ob Singhalesen, Tamilen oder Muslime – gewesen, sagte Rajapaksa in einer Fernsehansprache. «Heute haben unsere heldenhaften Truppen diesen Traum Realität werden lassen.»

Aus Freude über den Fall der Stadt brannten viele Menschen in der Hauptstadt Colombo daraufhin spontan Feuerwerkskörper ab. Andere schwenkten die Nationalfahne und fuhren so mit dem Auto durch die Stadt.

Kurz nach der Verkündigung der Eroberung der Rebellenhochburg sprengte sich in Colombo ein Selbstmordattentäter auf einem Motorrad in die Luft und tötete mindestens zwei Menschen.

Laut Militärangaben wurden 30 weitere Personen bei dem Attentat in der Nähe des Hauptquartiers der Luftwaffe verletzt. Das Militär machte die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) für den Anschlag verantwortlich.

Schwerer Schlag für Tamil Tigers

Nach Angaben der Armee drangen Bodentruppen an zwei Stellen nach Kilinochchi vor und brachten das Gebiet vollständig unter Kontrolle. Die LTTE äusserten sich zunächst nicht. Sie hatten angekündigt, ihre Hochburg um jeden Preis halten zu wollen.

Die srilankische Regierung hatte vor einem Jahr formell einen bereits mehrfach gebrochenen Waffenstillstand beendet. Seit September hatte die Armee den Ring um Kilinochchi immer enger geschlossen.

Der Verlust der Stadt gilt als schwerer Schlag für die Rebellen. «Der Fall von Kilinochchi würde bedeuten, dass sie nur ein Gebiet in Mullaitivu (im Nordosten des Landes) halten», sagte der Militärexperte Iqbal Athas. Damit sei der Krieg zwar nicht beendet, aber die Hauptrückzugsgebiete der LTTE würden kleiner.

Die Tamil Tigers kämpfen auf der Insel im Indischen Ozean seit einem Vierteljahrhundert für einen eigenen Staat. Sie werfen den politisch dominierenden Singhalesen vor, die Minderheit der Tamilen zu benachteiligen. Bei den Auseinandersetzungen kamen bisher mindestens 70000 Menschen ums Leben.

Eigene Verwaltung im Norden Sri Lankas

Die Tamilienrebellen haben in den vergangenen zehn Jahren im 330 Kilometer nördlich von Colombo gelegenen Kilinochchi ihre eigenen Gerichte und Sicherheitskräfte eingesetzt und eine eigene Verwaltung eingerichtet.

UNO-Behörden und internationale Hilfsorganisationen hatten zeitweise Büros in Kilinochchi, zogen sich aber Ende vergangenen Jahres auf Drängen der Regierung in Colombo zurück, als der Konflikt in der Region eskalierte. (SDA)

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