Taliban werden Bin Laden untreu

  • Publiziert: 06.10.2008, Aktualisiert: 14.01.2012

MEKKA (Saudi-Arabien) – Die engsten Verbündeten laufen dem Terrorfürsten davon: Die afghanischen Taliban sind offenbar von den Kämpfen zermürbt und wollen Frieden.

Gesandte der Taliban führten Ende September in Mekka vier Tage lang Gespräche mit der afghanischen Regierung, um den blutigen Konflikt am Hindukusch zu beenden. Das Sensationelle an diesen Verhandlungen: Die militanten Moslems werden gemäss «CNN» ihrem bisher engsten Verbündeten, dem Terror-Netzwerk Al-Kaida, untreu.

Genau wegen der Waffenbruderschaft zu Bin Laden waren die Taliban 2001 gestürzt: Die Weigerung, den Terror-Fürsten und seine Gefolgsleute nach dem 11. September an die USA auszuliefern, gab George W. Bush und seinen Verbündeten den Anlass, in Afghanistan einzumarschieren.

In den letzten Monaten hatten die Taliban an Stärke gewonnen und mit ihren Angriffen für hohe Verluste bei der Zivilbevölkerung und den westlichen Truppen gesorgt. Dennoch schickten sie die elfköpfige Delegation zu den Friedensgesprächen mit der afghanischen Regierung.

Allianz aufgekündigt

Es war das erste Mal überhaupt, dass die verfeindeten Parteien versuchen, den Konflikt auf friedlichem Weg beizulegen. Schirmherr der Verhandlungen ist der saudische König Abdullah.

«CNN» spricht von einem Meilenstein in der Geschichte des von Bush ausgerufenen «Kriegs gegen den Terror». Wie eine anonyme Quelle dem US-Fernsehsender berichtete, ist Taliban-Führer Mullah Omar nicht in die Gespräche involviert. Doch gemäss seinen Gesandten hat der Geistliche, der seit Jahren untergetaucht ist, die Allianz mit Al-Kaida aufgekündigt. Der Dialog soll in zwei Monaten weitergehen.

Dass sich Saudi-Arabien gerade jetzt in den Konflikt einschaltet, ist gemäss «CNN» kein Zufall: Die Saudis haben Angst, dass die Regionalmacht Iran verstärkt Einfluss in Afghanistan nehmen könnte – wie es Teheran auch im Irak versucht. (hhs)

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