«Wir werden jeden angreifen, der uns kritisiert» Taliban schiessen 14-jährige Aktivistin nieder

ISLAMABAD - Die Taliban haben im Swat-Tal im unruhigen Nordwesten Pakistans eine junge Kinderrechtsaktivistin angegriffen. Sie kritisierte die Taliban immer wieder öffentlich.

  • Publiziert: 09.10.2012
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Malala Yousufzai und ihre Freundinnen sassen nach der Schule schon im Minibus, als zwei Uniformierte auftauchten und fragten, wer von ihnen Malala sei. Als die Mädchen nicht sofort antworteten, zogen sie ihre Waffen und schossen auf den Wagen, schreibt «Spiegel.de».

Die Attentäter trafen dabei ihre Zielperson, die 14-jährige Malala, an Hals und Kopf. Die Kugel habe das Gehirn aber verfehlt, teilte die Polizei mit. Auch eine weitere Mitschülerin wurde verletzt.

Nach einer Notoperation in einem nahegelegenen Spital in der Stadt Saidu Sharif im Swat-Tal seien die Mädchen ausser Lebensgefahr, sagten die Ärzte.

«Wir haben sie gewarnt»

Malala Yousufzai engagiert sich seit sie neun Jahre alt ist für die Rechte von Mädchen und ist den Extremisten im Land ein Dorn im Auge. Als Malala und ihre Freundinnen unter dem Regime der Taliban plötzlich nicht mehr zur Schule gehen durften, forderte sie öffentlich, dieses Verbot aufzuheben.

Ausserdem weigerte sie sich, ihren Körper zu verhüllen, trug weiterhin normale Kleidung und ging nach wie vor zur Schule.

Der Taliban-Sprecher Ehsanullah Ehsan erklärte, seine Organisation sei für den Angriff verantwortlich. «Sie ist ein westlich gesinntes Mädchen. Sie kritisiert uns immer. Wir werden jeden angreifen, der die Taliban kritisiert», sagte der Sprecher. Sie hätten sie mehrfach gewarnt.

Präsident steht hinter Malala

Pakistans Präsident Asif Ali Zardari verurteilte den Angriff und betonte, er werde den Willen zum Kampf gegen die Taliban nicht schwächen. Der Informationsminister der Provinz, Mian Iftikhar Hussain, rief zu einer grossangelegten Offensive gegen Extremisten auf.

«Malala wurde angegriffen, weil sie eine Friedensikone ist», sagte Hussain. «Sie hat hart gekämpft, um eine Ausbildung zu bekommen, und sie hat für den Frieden gearbeitet.»

Berühmt durch BBC-Blog

Malala Yousufzai war bekannt geworden, als sie vor drei Jahren auf einer Internetseite des britischen Fernsehsenders BBC über Gewalttaten der Taliban im Swat-Tal berichtete. Später trat sie auch wiederholt in Dokumentationen auf.

Für ihre Arbeit bekam sie im vergangenen Jahr den ersten je verliehenen Friedenspreis der pakistanischen Regierung und wurde für eine weitere Auszeichnung einer internationalen Organisation nominiert.

Die Taliban hatten 2007 unter Führung des radikalen Geistlichen Maulana Fazlullah das Swat-Tal unter ihre Kontrolle gebracht. Zahlreiche Mädchenschulen wurden geschlossen und zerstört, bevor die Armee in einer blutigen Offensive die Extremisten aus dem Tal vertrieb, das wegen seiner Schönheit lange ein beliebtes Reiseziel war.

In den vergangenen Jahren hat sich die Lage weitgehend stabilisiert, doch trauen sich noch immer nur wenige Touristen in das Tal. (SDA/kko)

Beliebteste Kommentare

  • Peter  Klein , Schaffhausen , via Facebook
    Traurig, traurig. Und da gibt es doch tatsächlich westliche Politiker, die das Gespräch mit dieser Menschenverachtenden Islamistischen Gruppierung suchen wollen. Ich wünsche dem Mädchen alles Gute und der Bevölkerung Afghanistans etwas mehr Menschlichkeit.
  • Philippe  Trachsel , Oberried
    Sieht man wieder einmal was für XXXXX diese Talibanen doch sind. Da findet man keine Worte um diese Menschen zu beschreiben. Einfach nur krank, dies macht eim so wütend. WIe tief die Menschheit doch sinkt...

Alle Kommentare (12)

  • Jeanette  Müller
    Hört mal auf, ständig von Talibans, Salafisten usw zu sprechen, das Problem liegt nicht an den Gruppierungen. Denn wie sich die Gruppe auch nennt, sind es doch Moslems, die, wie alle anderen Moslems, dem Koran verpflichtet sind. Und dies zwingend. Wer diese Tatsache nicht erkennen kann, sollte sich mal fragen, wieso sich praktisch kein hier lebender Moslem GEGEN die erst kürzlich geschehenen Demonstrationen mit mehreren Toten ausgelöst durch einen Film, den wohl die wenigsten jener Demonstranten gesehen haben ausgesprochen hat. Wieso wohl?
    • 10.10.2012
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  • Larry  Kaufmann
    Man sieht bereits was geschehen wird, nachdem die USA und ihre Verbündeten 2014 vollständig aus Afghanistan abziehen: Das Taliban-Regime wird an die Macht zurückkehren - Schulen wieder zu, Frauen wieder zu Vieh abgestuft, erneut Hinrichtungen im Stadion, neue Terror-Trainingslager. Aber das wollen Gutmenschen offenbar, sonst ist es "Einmischung."
    • 10.10.2012
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  • Rolf  Hess , Münchenbuchsee
    Wie man sieht. Diese Sorte Taliban verstehen nur Gewalt.
    • 10.10.2012
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  • Julien  Ceccon , Riken
    Unglaublich, wie feige manche Menschen sein können!!
    • 10.10.2012
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  • Rolf  Wittwer
    Auf ARD läuft momentan schon wieder eine Sendung mit dem Islam. Millionen von Zuschauern haben wieder brav zu akzeptieren, dass da eine Vollverschleierte in der Diskussion mitstreitet nur Augen sichtbar!
    Islam hier - Islam dort - Islam unten, hinten, links, rechts, geradeaus, immer schön alles tolerieren, was aus dieser Seite kommt. Das Mädchen in Pakistan müsste genau genommen bei uns in Europa eine grosse Empörungswelle auslösen. Da wir jedoch bis zu unserem eigenen Untergang, weiterhin bewusst von Politik und Medien in Sachen Islam kurz an der Leine gehalten werden sog. "politische Korrektheit" ist es müssig geworden, über die Zukunft Europas weiterzu diskutieren.
    • 10.10.2012
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