Taiwan Mindestens fünf Tote und über 300 Verletzte nach Erdbeben in Taiwan

Taipeh – Nach dem Erdbeben im Süden Taiwans suchen die Rettungskräfte in den Trümmern nach Verschütteten. Wenige Stunden nach den Erdstössen waren am Samstag fünf Tote gefunden und mehr als 300 Verletzte in Spitäler gebracht worden.

Tote nach schwerem Erdbeben

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Wie viele Menschen noch unter den Trümmern lagen, war unklar. In Tainan blieben die vielen kleineren Häuser der Zwei-Millionen-Metropole unversehrt, doch wurden mehrere höhere Bauten schwer beschädigt oder stürzten ein. Ein 16-stöckiges Wohngebäude kippte komplett auf die Seite.

Erste Befürchtungen der taiwanesischen Nachrichtenagentur CNA, dass darin «möglicherweise Hunderte Menschen» verschüttet wurden, bestätigten sich nicht. In dem Wohnhaus waren rund 200 Menschen. Bis zum Morgen konnten schon 123 lebend gerettet werden. 30 Bewohner steckten am Vormittag noch fest und warteten auf Rettung.

Unter den Toten in dem Haus ist ein weiblicher Säugling und ein 40-jähriger Mann. An einem anderen Ort in Tainan wurde eine 56-jährige Frau von einem herabfallenden Wassertank erschlagen, wie ein Mitarbeiter des Notfallzentrums berichtete.

Die Erdstösse erreichten die Stärke 6,4 und überraschten die Menschen kurz vor 4.00 Uhr Ortszeit im Schlaf. Das Beben war auf der ganzen Insel zu spüren und überraschte auch Superstar Madonna und ihre Musiker, die auf ihrer Rebel Heart Tour in Taiwan sind. Ihr Manager Guy Oseary schrieb aus dem 350 Kilometer entfernt gelegenen Taipeh auf Instagram: «Erdbeben hier in Taipeh. Vier Uhr früh...Wir sind alle OK... Hoffe, dass es vorbei ist.» Am Samstagabend ist ein zweites Konzert von Madonna in Taiwans Hauptstadt geplant.

Das Epizentrum des Erdbebens lag in Meinong nahe der Hafenstadt Kaohsiung. Das Tsunami-Warnzentrum für den Pazifik teilte mit, es bestehe keine Gefahr einer Riesenwelle. Die Gegend ist dicht besiedelt. Allein in Kaohsiung leben 2,8 Millionen Menschen. Feuerwehr und Rettungskräfte waren in der Dunkelheit mit Scheinwerfern und Taschenlampen im Einsatz, um Verschütteten zu helfen.

Mit Leitern versuchten sie, durch die Fenster in die völlig zerstörten Wohnungen zu gelangen. Eine Frau berichtete im Fernsehsender SET TV, sie habe mit einem Hammer ihre verbogene Wohnungstür aufgebrochen, um ins Freie zu gelangen. Bis Sonnenaufgang konnten schon viele Überlebende gerettet werden.

Das Beben liess viele Häuser schwanken, wie Augenzeugen berichteten. Durch Stromausfälle waren 160'000 Haushalte vorübergehend ohne Elektrizität. Auch die Wasserversorgung wurde für 400'000 Haushalte unterbrochen. Mehrere Nachbeben erschreckten die Menschen weiter.

Die Erdstösse passierte nur einen Tag vor dem traditionellen chinesischen Neujahrsfest, das von Sonntag auf Montag beginnt. Es weckte schlimme Erinnerungen an das Beben von 1999, als 2400 Menschen ums Leben kamen. Damals wurde eine Stärke von 7,3 erreicht. Taiwan wird immer wieder von Erdbeben erschüttert, weil die Insel in der Nähe einer Bruchstelle zweier tektonischer Platten liegt.

Die Hochgeschwindigkeitsbahn wurde im Süden streckenweise gestoppt, um die Schienen auf Schäden zu untersuchen. Die Betreiber der Schnellbahn rieten vorerst von Fahrten in den Süden ab, was die Reisewelle über die Ferientage zum grössten chinesischen Familienfest behindern dürfte. Die normale Eisenbahn lief aber weiter, wenn auch mit verlangsamter Fahrt. (SDA)

Publiziert am 06.02.2016 | Aktualisiert am 06.02.2016
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