30'000 Soldaten umzingeln Stadt Syriens Aufständische haben Angst vor einem Massaker

DAMASKUS - 30'000 Soldaten und Dutzende von Panzern der Regierung haben die Rebellen-Stadt Dschisr asch-Schugur umzingelt. Nun dringen sie in die Stadt ein.

  • Publiziert: 10.06.2011, Aktualisiert: 14.01.2012
Syrische Soldaten haben den Befehl, "bewaffnete Banden" zu eliminieren play Die Stadt Dschisr asch-Schugur ist von Panzern und Soldaten umzingelt. (sda)

Eine riesige Militäroffensive startete hat im Norden Syriens begonnen: 30000 Soldaten und Dutzende von Panzern hatten die Stadt Dschisr asch-Schugur umstellt. Nun rücken sie in die Stadt der Aufständischen vor.

In der Stadt an der türkischen Grenze geht seit Tagen die Angst vor einem Massaker der Regierung um: Letzte Woche starben dort 120 Polizisten. Die Regierung erklärte, Aufständische hätten sie ermordet. Die Opposition hingegen spricht von einer Meuterei unter den Polizisten, weil sich einige davon geweigert hätten, auf Demonstranten zu schiessen.

Als schlechtes Zeichen wertete die Bevölkerung bereits, dass der gefürchtete Bruder des Staatspräsidenten, Maher al-Assad, Anfang Woche in den Norden des Landes vorrückte. Er gilt als besonders brutal.

Eine Fluchtwelle in die Türkei hat bereits eingesetzt. Dschisr asch-Schugur sei praktisch verlassen. Von den 70000 Einwohnern seien nur 4000 dort geblieben, berichtet «welt.de». Die Türkei rechnet mit bis zu einer Million Flüchtlinge aus Syrien.

Im Staatsfernsehen hiess es, der Einsatz richte sich gegen «bewaffnete Banden». Und: Die Bevölkerung habe die Regierung gebeten, einzugreifen.

Warnung vor Blutbad wie 1982 in Hama

Türkeis Präsident Erdogan warnte den syrischen Präsidenten Assad laut «spiegel.de» vor einem neuen Blutbad: 1982 schlug Assads Vater, der auch sein Amtsvorgänger war, einen Islamisten-Aufstand brutal nieder. Die Stadt Hama wurde tagelang bombardiert. Tausende starben.

In Syrien sind seit Beginn der Unruhen im März nach Einschätzung der UNO mehr als 1100 Menschen getötet worden. Bis zu 10000 Menschen seien verhaftet worden, erklärte die UNO-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay in Genf unter Berufung auf Beobachter im Land. Allein am vergangenen Freitag sollen demnach mehr als 50 Demonstranten bei Protesten in der Stadt Hama getötet worden sein. (sik)

Rotes Kreuz will sofort Zugang zu den Opfern

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat vom syrischen Regime den sofortigen Zugang zu den Opfern der Gewalt im Land sowie zu allen Gefangenen verlangt. IKRK-Präsident Jakob Kellenberger erklärte sich bereit, selbst nach Syrien zu reisen, um die Regierung zu überzeugen.
«Trotz wiederholter Anfragen an die syrischen Behörden haben wir nicht wirklich Zugang zu schutzlosen Personen erhalten», wurde Kellenberger heute in einem in Genf verbreiteten Communiqué zitiert. Das IKRK sei entschlossen, der Bevölkerung, die der Gewalt augesetzt ist, zu helfen und Gefangene zu besuchen.
Bislang haben das IKRK und der arabische Rote Halbmond nur Daraa, Tartus und Homs besuchen können. Die Besuche fanden gemäss IKRK-Angaben im vergangenen Monat statt und waren nur von kurzer Dauer – nicht lange genug, um die Lage vor Ort abzuschätzen und den Bedarf an humanitärer Hilfe abzuklären, wie Kellenberger betonte.
Es gebe aber zahlreiche Berichte über Hunderte Getötete und Verletzte, Tausende Gefangene und Verhaftete sowie über Tausende weitere Menschen, die sich wegen der Gewalt nicht mehr aus ihren Häusern trauten. (SDA)

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