Der syrische Diktator Assad will Aleppo zurückerobern. Regierungstruppen und Rebellen liefern sich erbitterte Kämpfe. Bisher gab es in der Schlacht um die Millionenmetropole allerdings wenig Bewegung.
Trotz heftigem Beschuss aus Raketenwerfern und Helikoptern machen die syrischen Regierungstruppen bei ihrer Offensive gegen Aufständische in Aleppo vorerst keine Fortschritte. «Unsere Positionen sind unverändert», sagte der Rebellenkommandant Abu Omar al-Halebi am Sonntagmorgen.
Die Regimetruppen konzentrierten ihre Angriffe auf den Zugang zum südwestlichen Randbezirk Salaheddin, einer Hochburg der aufständischen Freien Syrischen Armee (FSA).
Mit Panzern und Kampfhelikoptern hatte die syrische Armee am Samstag ihre Offensive zur Rückeroberung der Stadt Aleppo begonnen.
Ein erster Angriff auf Salaheddin sei abgewehrt worden, sagte Abdel Dschabbar al-Okaidi, ein Oberst der Freien Syrischen Armee (FSA). Auch einen Angriff auf das Hamdanijeh-Quartier konnten die Aufständischen nach eigenen Angaben zunächst abwehren.
An der Seite der Rebellen kämpfen auch ausländische Dschihadisten. Die islamistischen Kämpfer berichteten der Nachrichtenagentur AFP, sie kämen aus Algerien, Frankreich, Schweden und Tschetschenien.
Gemäss der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte starben am Samstag bei Kämpfen in ganz Syrien 91 Menschen, die meisten in Aleppo. Aber auch aus anderen Teilen Syriens, aus Homs, Hama, Daraa und Damaskus-Land wurden am Samstag Kämpfe gemeldet.
In der Weltkulturerbe-Stadt Aleppo droht ein Häuserkampf. «Die Rebellen haben sich in den engen Gassen positioniert, was die Kämpfe erschwert», sagte ein Vertreter der syrischen Führung gegenüber der AFP.
«Tausende Menschen fliehen vor dem Bombardement. Sie werden von Helikoptern terrorisiert», berichtete ein Aktivist namens Amer. Die verbliebenen Zivilisten suchten Schutz in Kellerräumen. Lebensmittel würden knapp; Strom- und Wasserversorgung seien unterbrochen.
Der Kampf um das Wirtschaftszentrum des Landes mit seinen 2,5 Millionen Einwohnern könnte zur Entscheidungsschlacht im Konflikt werden. Regierungsmedien sprachen von der «Mutter aller Schlachten».
Militärexperten räumen Assads Truppen zwar die grösseren Chancen in grossen Städten ein. Dennoch gewännen die Rebellen an Stärke, während das Militär schwächer werde, da es die Kontrolle in den ländlichen Gebieten verlöre, sagte Ayham Kamel von der Eurasia Group.
Der frühere Leiter der UNO-Beobachtermission in Syrien, Robert Mood, erklärte, es sei nur eine Frage der Zeit, bis das Regime stürze, nämlich dann, wenn sich mehr Angehörige der Streitkräfte lossagten und der Opposition anschlössen.
Weltweit forderten Politiker ein Ende der Offensive in Aleppo, so auch UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon. Die USA und Grossbritannien warnten vor einem Massaker. Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan forderte die Weltgemeinschaft auf, nicht länger «Zuschauer oder Beobachter» zu bleiben und der französische Präsident François Hollande forderte ein rasches Eingreifen des UNO- Sicherheitsrats.
Russland, das sich dort Sanktionen gegen das Regime von Baschar al-Assad verweigert, warnte vor einer «Tragödie». Aussenminister Sergej Lawrow sagte, seine Regierung versuche, die syrische Führung davon zu überzeugen, den Aufständischen ein Entgegenkommen zu signalisieren.
Wenn aber die Aufständischen Städte wie Aleppo besetzten, sei es nicht realistisch, dass Damaskus dies hinnehme. Lawrow warf dem Westen und «einigen syrischen Nachbarn» vor, den Kampf gegen Damaskus «zu unterstützen und zu lenken».
Assad lässt die im März 2011 begonnene Revolte blutig niederschlagen. Gemäss der Opposition wurden bereits über 20'000 Menschen getötet.
Rund 14'000 Todesopfer seien Zivilisten, mehr als 5000 Soldaten, Polizisten oder regimetreue Milizen und knapp 1000 Deserteure, erklärte die Beobachtungsstelle in London. Unter Zivilisten versteht sie auch bewaffnete Kämpfer, die keine Soldaten waren. Die Zahlen lassen sich nicht überprüfen, da die UNO aufgehört hat, die Opfer zu zählen. (SDA)