Syrien Assad inszeniert sich als Beschützer der Christen - Tote in Aleppo

Damaskus/St. Petersburg/Ankara – Nach Wiedererlangung der vollen Kontrolle über Aleppo hat sich der syrische Präsident Baschar al-Assad an Weihnachten als Beschützer der Minderheiten inszeniert: Die Führung in Damaskus veröffentlichte am Sonntag Bilder Assads mit Frau Asma beim Besuch eines Klosters.

Klosterbesuch: Assad besucht in Damaskus christliches Waisenhaus play
Der syrische Präsident Baschar al-Assad (links) und seine Ehefrau Asma (Mitte) begrüssen als Weihnachtsmänner verkleidete christliche Waisen in Sednaja nördlich von Damaskus (in einer Aufnahme vom Sonntag, wie sie auf der Facebook-Seite des syrischen Präsidialamtes erschien). KEYSTONE/AP

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Die Bilder zeigten den Präsidenten mit Kindern in rot-weissen Weihnachtsmann-Anzügen. Im Zentrum Aleppos fand in der teilweise schwer zerstörten Sankt-Elias-Kathedrale an Heiligabend die laut Beobachtern erste Messe seit Jahren statt.

St. Elias liegt im Westen Aleppos, der auch schon vor der Evakuierung der Rebellengebiete vom Regime kontrolliert wurde. Nach einem heftigen Bombenkrieg mit den laut UNO schwersten Luftangriffen im gesamten Bürgerkrieg hatte die syrische Armee, unterstützt von ihren Verbündeten Russland und dem Iran, die Rebellen-Enklave Mitte Dezember zu grossen Teilen erobert. Die Evakuierung der verbliebenen Gebiete war am Donnerstag beendet.

Damit ist das schwer umkämpfte Aleppo nach mehr als vier Jahren wieder vollständig in der Hand der Regierung. Die Gesamtzahl der Menschen, die sich im Osten Aleppos aufgehalten haben, dürfte nach Zahlen der Vereinten Nationen und des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) dabei deutlich unter 100'000 liegen. Aktivisten und Rebellengruppen hatten die Anzahl an belagerten Menschen in den vergangenen Monaten mit bis zu 300'000 angegeben.

Die Gewalt ging aber zumindest in den von Rebellen gehaltenen Gebieten am westlichen Stadtrand Aleppos weiter. Der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge wurden an Heiligabend bei Luftangriffen mindestens sechs Zivilisten getötet. Bereits am Vortag seien bei einem Bombardement drei Rebellen gestorben, hiess es.

Im Osten Aleppos wurden der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana zufolge zudem zwei Menschen von zurückgelassenen Sprengsätzen getötet sowie 33 verletzt.

In den vormaligen Rebellenvierteln von Aleppo wurden nach russischen Angaben «mehrere Massengräber mit dutzenden Leichen» entdeckt. Die Menschen seien «grausam gefoltert und hingerichtet» worden, sagte am Montag der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau, Igor Konaschenko.

Es müssten nun genaue Untersuchungen folgen. Diese würden aber mit Sicherheit dazu führen, dass der Westen «seine Verantwortung für die Grausamkeiten» der syrischen Rebellen anerkennen müsse, hiess es weiter.

Die amtliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete ihrerseits, dass die Rebellen bei ihrem Rückzug aus Ost-Aleppo mindestens 21 Zivilisten getötet hätten.

Die Leichen der Opfer, unter ihnen fünf Kinder und vier Frauen, seien in Gefängnissen der inzwischen vertriebenen «Terrorgruppen» entdeckt worden, zitierte Sana den leitenden Gerichtsmediziner in Aleppo, Saher Hadscho. Sie seien «durch Schüsse aus sehr kurzer Distanz hingerichtet» worden

Im Norden des Landes tötete die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat nach türkischen Angaben mindestens 30 Zivilisten, die aus der Stadt Al-Bab flüchten wollten. Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete am Montag unter Berufung auf die türkische Armee, die Zivilisten seien am Vortag in mehrere Sprengfallen des IS geraten.

Die Türkische Armee versucht, Al-Bab nahe seiner Grenze von den sunnitschen Fanatikern zu erobern. Luftangriffe töteten dabei den Menschenrechtsbeobachtern zufolge viele Zivilisten.

Derweil weiteten die USA ihre Sanktionen gegen die syrische Führung um mehrere Minister sowie um Manager einer russischen Bank aus. «Die täglichen Attacken der syrischen Regierung von Baschar al-Assad auf Zivilisten sind verwerflich», sagte US-Vizefinanzminister Adam Szubin. In Moskau stiess die Massnahme auf harte Kritik. (SDA)

Publiziert am 26.12.2016 | Aktualisiert am 27.12.2016
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