Swiss sperrt Nicola (13) in die Gepäckaufbewahrung

  • Publiziert: 17.07.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Corinne Landolt
play Nicola D. vor dem Abflug. Die Swiss-Dokumente trägt er um den Hals. (ZVG)

Nicolas erster Flug - ein Albtraum. Statt in den Armen seines Vaters landet er hinter Gittern zwischen Koffern.

Seit Wochen hat Nicola (13) diesen Tag herbeigesehnt: Das erste Mal fliegen, und erst noch allein. «Am Flughafen Zürich war er ganz aufgeregt», sagt Mutter Jacqueline D.* Sie hat ihren Sohn auf den Swiss-Flug LX1680 nach Florenz gebucht.

Weil er noch so jung ist, begleitet Swiss-Personal Nicola ins Flugzeug. Die Eltern zahlten für den Service pro Weg 65 Franken. In Florenz wird ihn sein Vater in Empfang nehmen. Es kommt anders: Wegen starken Winden kann die Maschine nicht landen. «Wir weichen in solchen Fällen nach Bologna aus», sagt Swiss-Sprecher Jean-Claude Donzel.

«Mein Bub konnte nicht raus»

Ein Bus fährt die Flugpassagiere von Bologna nach Florenz. Nur: Nicola darf nicht einsteigen. «Weil wir die Eltern telefonisch nicht erreicht haben», erklärt Donzel. «Wir tragen die Verantwortung bis zum Schluss der Reise. Die Crew hat korrekt gehandelt.» Der Bub sei am Flughafen von Bologna einer Betreuungsperson übergeben worden.

«Die hat Nicola einfach in einen vergitterten Gepäckraum gesperrt. Der war kleiner als unsere Küche», erzählt die entsetzte Mutter. «Mein Bub konnte nicht raus und bekam nichts zu essen oder zu trinken.»
Nicola leidet hinter den Gittern zwischen Koffern. Ab und zu liefert Personal Gepäck ab, deutsch versteht niemand. Der Bub klammert sich an sein Handy. Im Ausland kann er nicht telefonieren, aber SMSlen. «Als wir lasen, was ihm passiert ist, machten wir uns grosse Sorgen», so Jacqueline D. Von Swiss habe sie nichts gehört.

«Wir sind doch keine Lügner»

Der besorgte Vater reist von Florenz nach Bologna, muss sich extra am Flughafen ein Auto mieten. Nach drei Stunden kann er seinen Sohn spätnachts in die Arme schliessen. ie Swiss untersucht, was passierte. Donzel: «Dass der Bub im Gepäckraum eingesperrt wurde, glaube ich nicht. Wir sind doch keine Monster.»

«Wir sind doch keine Lügner», entgegnet die Mutter. Nach dem Horror verbringt Nicola jetzt zwei Wochen in der Toscana. Jacqueline D.: «Allein heimfliegen soll er nicht. Ich werde ihn wohl abholen.»

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