GROSSETO - I - Francesco Schettino fuhr heute beim Theater in Grosseto vor. Drinnen wartete der Richter.
Letztes Kapitel im Drama um das versunkene Kreuzfahrtschiff Costa Concordia. Wer ist schuld an den 32 Toten, den zwei Vermissten und dem 50'000 Tonnen schweren Wrack vor der Küste der italienischen Insel Giglio?
Beim Prozess gegen Unglückskapitän Francesco Schettino und acht weitere Angeklagte geht es heute um die Beweisaufnahme. Die Auswertung der Blackbox soll zeigen, welche Fehlentscheidungen am 13. Januar zum verhängnisvollen Auflaufen des Schiffs auf einen Felsen geführt hatten.
Es ist einer der grössten Prozesse, die Italien je gesehen hat. Da der normale Gerichtssaal für den Ansturm der Medienleute und Angehörigen von Opfern viel zu klein ist, findet er im modernen Theater von Grosseto statt. Der Saal bietet dort Platz für bis zu 1300 Personen.
Schettino fuhr heute Morgen im Mercedes mit verdunkelten Fensterscheiben vor – und betrat das Gebäude durch den Hintereingang.
Sein Verhalten bei der Havarie trug ihm den Spitznamen «Kapitän Feigling» ein: Anstatt die Evakuation der Passagiere zu koordinieren, ging Schettino als einer der Ersten von Bord. Das ist denn auch einer der Anklagepunkte: vorzeitiges Verlassen des sinkenden Schiffes. Dazu kommen noch Havarie und fahrlässige Tötung.
Der Kapitän verteidigt sich mit der wenig glaubhaften Aussage, er sei «in ein Rettungsboot gefallen».
Auf dem Kreuzfahrtschiff herrschten offenbar haarsträubende Zustände: Der Steuermann aus Indonesien soll die englischen Befehle von Schettino nicht verstanden haben. Zudem sei die Crew nicht ausreichend für eine Evakuierung geschult gewesen. Die Passagiere seien überhaupt nie über Sicherheitsfragen aufgeklärt worden. (noo)
Beliebteste Kommentare
Alle Kommentare (3)