Stimmzettel-Stopfen und «Wahlkarussells» Die dreisten Tricks bei der Russen-Wahl

Millionen von Wähler stimmten gestern über das neue russische Parlament ab. Berichten zufolge manipulierten einige von ihnen das Ergebnis auf dreiste Weise.

Russische Wahlbetrüger wenden dreiste Tricks für Wahl-Manipulation an play
Bei der Duma-Wahl in Russland ging es offenbar nicht überall mit rechten Dingen zu. KEY

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Der Sieg kam wie erwartet. Gestern stimmten die Russen über ein neues Parlament ab - zumindest knapp die Hälfte von ihnen. Gerade einmal 47 Prozent der Wahlberechtigten erschienen an der Urne.

Für Wladimir Putins Partei Einiges Russland reichte das aus, um ihre Vormachtstellung in der Duma zu sichern: Nach der Auszählung von 93 Prozent der Stimmzettel landete die Regierungspartei bei 54,2 Prozent. Sie erhält damit 343 der 450 Sitze im russischen Parlament.

Russische Wahlbetrüger wenden dreiste Tricks für Wahl-Manipulation an play
Russlands Präsident Putin (links) gratuliert Premierminister Medwedew zum Wahlsieg der Regierungspartei. KEYSTONE/AP POOL SPUTNIK GOVERNMENT/YEKATERINA SHTUKINA
OSZE beschwert sich

Doch mehren sich Hinweise darauf, dass dieses Ergebnis nicht auf einwandfrei rechten Wegen zustande kam - wie schon bei der Wahl 2011.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hatte die Abstimmungen am Sonntag landesweit mit mehr als 450 Helfern beobachtet.

Ihr Fazit: Probleme seien vor allem im Vorfeld der Abstimmung registriert worden. «Es gab nicht genug politische Alternativen», kritisierte etwa Marietta Tidei von der Parlamentarischen Versammlung der OSZE.

Organisierte «Wahlkarussells»

Anderen Berichten zufolge kam es aber auch am Wahltag selbst zu Verstössen und Manipulationsversuchen. Die unabhängige russische Wahlbeobachterorganisation Golos (Stimme) sammelte etwa Meldungen über sogenannte «Wahlkarussells».

Russische Wahlbetrüger wenden dreiste Tricks für Wahl-Manipulation an play

Video-Aufnahmen aus einem Wahllokal in Rostow am Don zeigen eine Frau, die Stapel von Stimmzetteln in die Urne stopft.

Screenshot/Youtube

Das heisst, dass Wähler mehrfach abstimmen, teilweise sogar ganze Gruppen per Bus von einem Wahllokal zum nächsten gefahren werden. Berichte über solche «Fahrten» erreichten Golos nach eigenen Angaben vor allem aus der Region Altai in Sibirien und aus Moskau.

Eine weitere Masche haben Kameras in einem Wahllokal in Rostow am Don nahe der Grenze zur Ukraine festgehalten. Die Aufnahmen zeigen eine Frau, die ganze Stapel von Stimmzetteln in die Wahlurne stopft. Drei weitere Wähler stellen sich scheinbar zufällig vor die Frau - und schützen sie so vor neugierigen Blicken.

Wahl «ziemlich rechtmässig»

Laut der Organisation Golos manipulierten Wähler in zahlreichen Regionen Russlands auf diese Weise das Ergebnis der Abstimmung. Video-Beweise liegen demnach auch aus den Städten Nischni Nowgorod und der Region um Krasnojarsk vor.

Die Chefin der russischen Wahlkommission räumte Unregelmässigkeiten bereits am Sonntag ein. In einigen Regionen habe es Probleme gegeben, sagte Kommissionschefin Ella Pamfilowa. Die Wahl sei aber «nichtsdestotrotz ziemlich rechtmässig» gelaufen. (wen/SDA)

Publiziert am 19.09.2016 | Aktualisiert am 19.09.2016
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3 Kommentare
  • werner   zuercher aus Pfaffnau
    19.09.2016
    vor dreissig jahren war russland eine üble diktatur! regiert von einem üblen sozialistischen regiem! russland hat sich zum besseren gewandelt. von sauberer demokratie kann noch keine rede sein! das dauert einige generationen! das wissen die, die russland kennen. das weiss vor allem vladimir putin! der beton von 70 jahren komunismus,sozialismus geht nicht so schnell aus den köpfen! sieht man wie schlecht es mittlerweile um demokratie in EU staaten steht, sollte man putin nicht immer verteufeln!
    • Andreas  Bründler 20.09.2016
      Genau so ist es. Putin macht wenigstens keinen Hehl daraus, dass es sich um "gelenkte Demokratie" handelt. Schon mal viel Besser, als die offene Kleptokratie in Bungarien, z.B.
  • Cla  Ferr 19.09.2016
    Schön grosser Artikel. In Österreich wurde auch massiv manipuliert. Da hat es niemanden gestört und keine Berichte. Sogar wurde von unserer lieben Presse die FPÖ diffamiert, weil sie sich getraute vor Gericht zu gehen.