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Eine Stadt hat Abschied genommen. Mehrere Tausend Personen sind in Winnenden (D) zum Trauergottesdienst und Staatsakt zusammengeströmt, um der Opfer des Amoklaufs zu gedenken. Unter ihnen auch der Bundespräsident Horst Köhler und die Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Die schreckliche Tat des 17-jährigen Tim Kretschmer war für Redner und Prediger in Worte kaum zu fassen. Eva Luise Köhler, die Frau des Bundespräsidenten, früher selbst Lehrerin an einer Winnender Primarschule, formulierte das Unfassbare so: «Solche Taten führen uns an die Grenze des Verstehens.»
Wer möchte da widersprechen? Und doch sträubt sich in uns jede Faser, ein solches Verbrechen als Schicksalsschlag zu akzeptieren. Wir wollen verstehen. Es zumindest versuchen.
Was sind die Fakten? In den letzten Jahrzehnten sind weltweit gegen 100 Amokläufe an Schulen zu beklagen gewesen. Die Amokläufer waren jung, sie waren männlich, sie hatten ein Flair für Waffen. Und sie verbrachten Stunden mit brutalen Gewaltspielen am Computer.
Das muss uns zu denken geben. Warum entwickelt die Game-Industrie Killergames? Weil es offensichtlich eine Nachfrage gibt, also ein Milliardengeschäft. So sitzen Jungs fiebrig und vom realen Leben abgekoppelt vor den Bildschirmen und töten in hoher Frequenz. Sie killen Avatare, Aliens, Zombies – oder einfach Menschen. Mit jedem neuen Spiel sind alle Monster und Menschen wieder da, auferstanden. Das Töten kann endlos weitergehen. Tagelang, nächtelang.
Ist es Zufall, dass Amokläufer auch Killergames spielen? Die Wissenschaft meint: Nein. Das Töten als Spiel sei schädlich für unsere Kinder. Ihr Hirn lerne alles. Lesen, Schreiben, Rechnen. Aber lerne eben auch das Töten. Sollten wir diese Ausbildung nicht dem staatlichen Gewaltmonopol überlassen? Den Polizeischulen und den Kasernen der Armee? Dort, wo Profis das Töten im Auftrag und Dienste der Gesellschaft lernen. Sie und nur sie sollten mit Killergames üben dürfen. Dafür wären Mehrheiten zu gewinnen. Wann handeln wir?
Besser heute als morgen! Denn der Basler Erziehungswissenschaftler Wassilis Kassis warnt: «Es ist nur eine Frage der Zeit, bis bei uns ein Schulmassaker passiert.»