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Halb voll oder halb leer? Die SPD-Genossen Peer Steinbrück (l.) und Frank-Walter Steinmeier können ihr Bier nicht geniessen. (Reuters)
Der Schweizer Bundespräsident Hans-Rudolf Merz verliert einen unbequemen «Freund», unser Bankgeheimnis einen seiner schärfsten Gegner: Deutschlands Finanzminister Peer Steinbrück, der uns Nummernkonto-Indianern mit Peitsche und Kavallerie drohte.
Die Wähler haben den SPD-Vize gestern von seinem hohen Ross geholt und ihm das Direktmandat verweigert. Steinbrück unterlag in seinem Wahlkreis – dem Südkreis Mettmann in Nordrhein-Westfalen – mit 33,8 Prozent der Stimmen der CDU-Abgeordneten Michaela Noll (44,4 Prozent) klar.
Dennoch dürfte «Peitschen-Peer» auch in den neuen Bundestag einziehen: Er ist auf der Landesliste der SPD mit Platz drei abgesichert. Diesen sollte er via Zweitstimme verteidigen können. Die Schweiz verliert also den Kampf-Redner, der uns Rothäute verbal ins schwarze Ouagadougou auslieferte, noch nicht.
«Ein bitterer Tag für die SPD»
Die 23,0 Prozent bei der gestrigen Bundestagswahl sind das schlechteste Ergebnis für die SPD, das sie in der deutschen Nachkriegsgeschichte einstecken musste. «Ein bitterer Tag für die deutsche Sozialdemokratie», nannte es Steinbrück beim Namen.
In der Berliner SPD-Zentrale warnte er seine Partei gestern Abend aber vor Panikreaktionen. Es dürften jetzt keinesfalls «Revolutionstribunale» aufgestellt werden oder Selbstzerfleischungsprozesse starten. Die SPD müsse als Volkspartei breit aufgestellt bleiben, inhaltlich wie personell.
Dazu passt Steinbrücks Ankündigung, trotz Niederlage Oppositionsführer werden zu wollen. Damit hätte der Kavallerist zumindest ein neues Steckenpferd.