Bewaffnet im Wald So verhaftet die Polizei den Serbenführer Hadzic

  • Publiziert: 21.07.2011, Aktualisiert: 02.01.2012

BELGRAD/DEN HAAG - In einem Wald in den serbischen Bergen verhaftete die Polizei gestern den mutmasslichen Kriegsverbrecher Goran Hadzic (52). Er könnte Samstag nach Den Haag ausgeliefert werden.

Sieben Jahre lang war der mutmassliche Serbenführer Goran Hadzic (52) untergetaucht. Gestern dann der Coup: die serbische Polizei konnte ihn um 8.24 Uhr in der Bergregion Fruska Gora im Norden des Landes festnehmen. Hadzic versteckte sich in einem Wald nahe des Dorfs Krusedol bei Novi Sad.

Die Region ist für ihre Klöster bekannt. Hadzic hatte mit Angehörigen der serbisch-orthodoxen Kirche in Verbindung gestanden. Neben dem Serbenführer fasste die Polizei auch einen Kontaktmann, der ihn mit Geld versorgen wollte.

Bei seiner Festnahme war Hadzic bewaffnet, hat aber keinen Widerstand geleistet. «Es war schwer, ihn zu erkennen, er sah nicht mehr wie er selbst aus», sagt der serbische Staatsanwalt für Kriegsverbrechen, Vladimir Vukcevic.

Vollbart gegen Schnurrbart eingetauscht


Goran Hadzic, der auf alten Fotos durch seinen dichten Bart und seine hohe Stirn auffällt, habe einen Schnurrbart und einen Drei-Tage-Bart getragen.

Gestern Nachmittag erschien der Serbenführer vor einem Sondergericht in Belgrad: der 52-Jährige trug ein einfaches T-Shirt und schien kräftiger als früher.

Vor Gericht wirkte er verängstigt, verhielt sich aber kooperativ. «Ich muss kein Basketballspieler sein, um zu wissen, wann der Ball im Korb ist», sagte er dem Richter.

Soll Tausende Kroaten und Nicht-Serben ermordet haben

Hadzic wird zur Last gelegt, während des Kroatienkriegs (1991- 1995) den Befehl für die Deportation und Ermordung Tausender Kroaten und anderer Nicht-Serben erteilt zu haben. Das ICTY in Den Haag wirft ihm Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor.

Hadzic wurde in ein Belgrader Gefängnis gebracht. Serbiens Gerichtshof für Kriegsverbrechen hat der Auslieferung laut Hadzics Anwalt bereits zugestimmt. Ein Gerichtsvertreter sagte, das Gericht werde das Ende der dreitägigen Berufungsfrist abwarten. Hadzic könnte aber am Samstag ausgeliefert werden.

Mit der Auslieferung von mehr als 30 mutmasslichen Kriegsverbrechern habe Serbien «seine internationale Verpflichtung erfüllt», sagte Serbiens Präsident Tadic vor Journalisten in Belgrad. Das sei «die moralische Pflicht» des Balkanstaates gewesen.

«Serbien beendet eines der schwierigsten Kapitel in der Zusammenarbeit mit dem Haager Tribunal», sagte er gestern nach der Verhaftung des letzten freien Angeklagten des UNO-Tribunals für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien (ICTY).

«Festnahme für die Bürger Serbiens»

Tadic bestritt, dass der Druck der EU die Verhaftung des letzten mutmasslichen Kriegsverbrechers bewirkt habe. «Alles Drängen der EU war bedeutungslos», erklärte er. «Wir haben das wegen der Bürger Serbiens getan».

Die EU hatte die Festnahme gesuchter Kriegsverbrecher zur Bedingung für eine Annäherung Serbiens an die Union gemacht. Die Festnahme Hadzics sei «ein weiterer wichtiger Schritt für Serbien» und dessen «europäische Perspektive», erklärten EU- Kommissionspräsident José Manuel Barroso, die EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton sowie EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy.

Carla del Ponte: Lob für Belgrad

«Dies ist ein bedeutender Meilenstein in der Geschichte des Tribunals», sagte auch der ICTY-Chefankläger, Serge Brammertz. «18 Jahre nach seiner Schaffung können wir sagen, dass keine der angeklagten Personen einem juristischen Verfahren vor dem Gerichtshof entgangen ist.»

Einen «grossen Erfolg» für die internationale Justiz nannte auch die frühere ICTY-Chefanklägerin Carla del Ponto gegenüber der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens die Festnahme Hadzics. Gerechtigkeit werde damit Wirklichkeit, sagte sie.

Ausdrücklich würdigte Staatsanwalt Brammertz die früher oft von ihm kritisierte Regierung in Belgrad. «Serbien hat bwiesen, dass seine Kooperation mit dem Tribunal echt und nicht bloss ein leeres Versprechen ist», betonte Brammertz. (jes/sda)

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