Minen-Unglück in Chile So sieht der Tagesablauf der Verschütteten aus

  • Publiziert: 02.09.2010, Aktualisiert: 03.01.2012

SANTIAGO DE CHILE - Seit mehr als einem Monat sind die 33 Bergarbeiter in Chile verschüttet. Damit sie nicht durchdrehen, haben sie einen strikten Stundenplan.

Psychologen und Spezialisten der Nasa sind sich einig: Damit die 33 verschütteten Kumpel die Zeit bis zu ihrer Rettung durchstehen, brauchen sie einen geregelten Alltag. Deshalb sollen Energiegeräte und Lampen in die Gold- und Kupfermine in der Atacama-Wüste im Norden Chiles hinuntergelassen werden.

«Das Wichtigste, was wir aus psychologischer Sicht nun machen, ist, dass wir Tag und Nacht simulieren und den Platz, auf dem sie leben, in Zonen einteilen.» Die Kumpel leben nach einem strikten Zeitplan, der wie folgt aussieht:

7.30 Uhr: Nach einer Nacht im ungemütlichen Stollen, beginnt der Tag mit einem Frühstück. Sandwiches, Milch und Joghurt stehen auf dem Speiseplan.

8.30 Uhr: Die Kumpel waschen sich und räumen das Frühstück weg.

9.30 Uhr: Die Verschütteten lassen sich über eine Gegensprechanlage medizinisch beraten und ihr Anführer Luis Urzua bringt sie auf den neuesten Stand der Rettungsarbeiten.

12.00 Uhr: Das Mittagessen wird serviert. Seit gestern erhalten die Bergarbeiter eine warme Mahlzeit. Die Rettungskräfte liessen ihnen Hackfleisch mit Reis und zum Dessert Kiwis hinunter.

13.30 Uhr: Gruppendiskussionen stehen an. Die Kumpel besprechen sich gemeinsam. Reden über Ängste und Depressionen.

15.00 Uhr: Erholungszeit ist angesagt. Die Kumpel beten, schreiben Briefe oder nehmen ein Nickerchen. Zudem stehen den Verschütteten ein Beamer, der Filme an die Felswand projiziert, und Playstation Portables zur Verfügung.

17.00 Uhr: Die Turn-Stunde geht los. Vor allem mit Entspannungs- und Kräftigungsübungen müssen sich die Bergarbeiter auf ihre Rettung vorbereiten.

20.00 Uhr: Zeit zum Abendessen. Normalerweise werden den Kumpel belegte Brötchen aufgetischt. Aber auch warme Mahlzeiten werden durch das enge Loch zu den Verschütteten transportiert.

22.00 Uhr:
Nachtruhe. Bis 23 Uhr erlöschen alle Lichter. Die Männer sollen genug Schlaf bekommen, damit sie bei Gesundheit bleiben.

Impfungen

Die Behörden begannen inzwischen damit, die eingeschlossenen Männer gegen Tetanus, Diphterie, Grippe und Lungenentzündung zu impfen, um Krankheiten zu verhindern. Einem Krankenbericht zufolge haben fünf von ihnen Verdauungsbeschwerden; einige leiden unter Schlaflosigkeit.

Da sich auch Pilzinfektionen in der heiss-feuchten Rettungskammer breit machten, stiegen die Bergarbeiter 300 Meter tiefer in die Grube hinab. In Zukunft werden die Männer rund um die Uhr die herunterfallenden Gesteinsbrocken aus dem Weg räumen. Dabei leben sie mit der ständigen Angst, die Bohrungen könnten weitere Einstürze verursachen. (gca/SDA)

Bohrung unterbrochen

Die Bohrung des Rettungsschachts für die 33 im Bergwerk eingeschlossenen Kumpel ist gestern vorübergehend unterbrochen worden. Wegen einer Gesteinsspalte mussten die Schachtwände mit Zement befestigt werden. Die Bohrung konnte aber wenig später fortgesetzt werden.

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