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Annalisa (28) ist seit wenigen Stunden Mutter. Am Abend haben ihr die Ärzte mit einem Kaiserschnitt geholfen, Tochter Giorgia zur Welt zu bringen. Auch Annalisas Mutter ist bei ihr im Zimmer: Sie will ihre Tochter in den ersten Stunden nach der Geburt unterstützen.
Dann folgt die Katastrophe, die Panik. Mitten in der Nacht werden die zwei Frauen von den gewaltigen Erdstössen geweckt. Sie haben nur noch ein Ziel: Raus hier! «Ich sprang auf, die Schläuche der Infusionen im Arm rissen aus. Zusammen mit meiner Mutter holten wir Georgia und rannten aus dem Spital» berichtet sie der Zeitung «Il Giornale».
Machtlose Ärzte
Georgia, ihre Mutter und ihr Grossmutter haben überlebt. Zur gleichen Zeit hören auf der Notfallaufnahme des Spitals vier Kinder-Herzen auf zu schlagen. «Man konnte nichts mehr für sie tun», sagt der erschöpfte Chefarzt der Kinderabteilung. Zuvor hat der beherzte Mann zusammen mit einer Krankenschwester versucht, «seine» Kinder vor der Verschüttung zu retten. Oder vor dem qualvollen Erstickungstod wegen des Staubs, der durch die Gänge des schwer beschädigten Gebäudes zieht.
Doch nicht nur aus dem Krankenhaus werden die traurigen Schicksale der verschütteten Kinder von LAquila berichtet: Da ist das kleine Mädchen im Vorort San Gregorio, das kurz vor dem Beben mit ihren Eltern aus Frankreich angereist ist. Sie wollten mit ihrer Tochter Heimatluft schnuppern und zusammen Ostern feiern. Es wird nie mehr Ostern geben für diese Familie.
Oder das dreijährige Mädchen aus Russland, das in Fossa unter den Trümmern begraben wird. Ihre Zwillingsschwester und ihre Mutter blieben unversehrt und werden sich für immer fragen, wieso das Schicksal ihr Familienmitglied ausgesucht hat.
«Die Tochter des Bebens»
Ausgesucht hat es auch den noch nicht zweijährigen Francesco. Zusammen mit seiner schwangeren Mutter Giovanni und dem Vater Luigi stirbt er in den Trümmern seines Heims im historischen Zentrum von lAquila. Die Arbeitskollegen des Forstarbeiters Luigi wollen diesen abholen, um bei den Rettungsarbeiten zu helfen. Die ganze Nacht versuchen sie dann verzweifelt, ihren Freund und seine Familie auszugraben.
Die verschütteten Kinder von LAquila – für viele kommt um 3.32 Uhr in der Nacht auf den Montag das viel zu frühe Ende ihres Lebens. Doch selbst mitten im grössten Unglück geht es für andere weiter, entsteht neues Leben: Nur eine halbe Stunde nach den Erdstössen kommt in einem Ambulanz-Wagen mitten in LAquila Gabriella zur Welt. Die Menschen in den Abruzzen nenne die Neugeborene nun «Tochter des Erdbebens». (bih)
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