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So half mir die UBS beim Steuerbetrug

Igor Olenicoff steht am Anfang des UBS-Steuerdebakels in den USA – jetzt packt er aus.

Von Clemens Studer | Aktualisiert um 15:38 | 25.05.2009
Milliardär Igor Olenicoff verlangt 500 Millionen Dollar Schadenersatz von der UBS. (ZVG)
Milliardär Igor Olenicoff verlangt 500 Millionen Dollar Schadenersatz von der UBS. (ZVG)
Kaspar Villiger, alt Bundesrat und neuer UBS-Präsident, hat erklärt, wie er sich die Welt wünscht: Die «Laien» aus der Politik sollen sich aus seinem Geschäft raushalten, denn «die Profis wissen schon, was sie tun». Was die «Profis» der unterdessen mit Volks-Milliarden geretteten Bank unter anderem so trieben, kann man in der «Weltwoche» nachlesen.

Dort packt der Milliardär Igor Olenicoff (siehe Box rechts) aus, wie ihm Bradley Birkenfeld und andere UBS-Mitarbeiter dabei geholfen haben, den amerikanischen Staat um Millionen zu hintergehen. Olenicoff hat ­zugegeben, seine Steuererklärung gefälscht zu haben.

Olenicoff wurde 2001 Kunde bei der UBS. Wie es dazu kam, schildert er so: «Aus dem Nichts erhielt ich ­einen Anruf von einem gewissen Bradley Birkenfeld. Ich hatte keine Ahnung, wer er war.» Birkenfeld arbeitete damals noch für die englische Barclays Bank, wo Olenicoff einige Millionen angelegt hatte. Und Birkenfeld wollte offensichtlich mit einem dicken Fisch im Portfolio zur UBS wechseln. Doch davon ahnten damals weder Barclays noch Olenicoff etwas.

Bei einem Treffen in Kalifornien machte Birkenfeld dem Milliardär Angst. «Er sagte, Schreckliches würde mit meinem Geld bei Barclays passieren, die Bank ziehe sich aus der Karibik zurück, das Geld ende bei einer kleinen, unstabilen Bananenrepublik-Bank.» Hintergrund dieser Aussage war, dass die Barclays – wie auch die UBS – ein sogenanntes «Qualified Intermediary Agreement (QI)» abgeschlossen hatte und darum Kunden mit unlauteren Steuerspar-Konstruktionen loswerden wollte.

In den folgenden Wochen wurde Birkenfeld nicht müde, als Barclays-Vizedirektor dem US-Milliardär die UBS schmackhaft zu machen. «Er schien uneigennützig und arrangierte ein Treffen mit der UBS in Genf.»

Dort wurde Olenicoff von UBS-Bankern üppig bewirtet. Doch nicht das Essen oder die speziellen Dienstleistungen der Bank sollen Olenicoff überzeugt haben, seine Millionen zu transferieren. «Es war weniger die UBS, sondern die Tatsache, dass die Schweiz einen hervorragenden Ruf für ihr Bankwesen hatte. (...) Die UBS stand exemplarisch für die Schweiz, die Schweiz exemplarisch für die UBS.»

Olenicoff bestreitet, sein Bankwechsel hätte mit dem «Steuerspar»-Konstrukt zu tun gehabt, das Birkenfeld und UBS ihm in den folgenden Jahren aufgebaut hatten.

Im Gegenteil: Er will nichts davon gewusst haben, dass er illegal handelte. Olenicoff schildert sein Verhältnis zum UBS-Banker als sehr nahe: «Wir waren richtig gute Freunde.» Birkenfeld lud Olenicoff und dessen Familie immer wieder zu luxuriösen Trips ein oder auch in sein Chalet in Zermatt. Wenn Kunde Olenicoff mal keine Zeit hatte, schickte er seinen Sohn oder seine Nichte.

So grosszügig und freundschaftlich der Umgang zwischen Olenicoff und seinen UBS-Beratern auch war, so rudimentär waren die Abrechnungen. Olenicoff: «Da ich kein Geld wusch und nichts verstecken wollte, verlangte ich Abrechnungen. Die UBS schickte mir keine mit der Begründung ‹es ist Teil der Geschäfts­praxis, aber wir bringen Ihnen die Abrechnungen vorbei›.» Für die US-Behörden ist klar: Die UBS hatte guten Grund, keine Abrechnungen auszustellen. Sie hätte US-Bürger gar nicht von der Schweiz aus bedienen dürfen. Olenicoff erzählt: «Birkenfeld und andere UBS-Mitarbeiter trafen mich in Restaurants, zückten Papierservietten und schrieben ein paar Zahlen drauf. (...) Bevor ich versuchen konnte, ein Papier zu ergattern, zerrissen sie es vor meinen Augen und steckten die Schnipsel in ihre ­Taschen.»

Heute würde er nicht mehr mit Schweizer Banken Geschäfte machen. Auch das Verhältnis zu seinem Ex-Berater ist unter dem Nullpunkt. Zu seinem letzten Kontakt sagt Olenicoff: «Als wir ihm meine Klage überreichten, empfing er den Zusteller mit einer geladenen Pistole. Er trug einen Vollbart, war nur mit einer Unterhose bekleidet.»

Olenicoffs Begründung für seine Klagen: «Ich kämpfe um meinen Ruf. Die UBS wird oft als Opfer dargestellt. Wenn es ein Opfer gibt, abgesehen von mir, ist es das Schweizervolk.»
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Der Fall Olenicoff

Igor Olenicoff (67) wanderte als 15-Jähriger in die USA ein. Er hat es vor allem mit Immobilien-Geschäften zum Milliardär gebracht. Olenicoff hat zugegeben, Millionen am Fiskus vorbeigeschleust zu haben. Er bezahlte dafür 52 Millionen Franken Strafe. Bei seinem – so Olenicoff «unabsichtlichen» – Steuerbetrug geholfen hat ihm die UBS. Jetzt will Olenicoff in einem Zivilprozess 500 Millionen Dollar Schadenersatz von seiner Ex-Bank. Die UBS weist alle seine Vorwürfe zurück.

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