So gehts den Opfern

  • Publiziert: 29.04.2008, Aktualisiert: 14.01.2012

AMSTETTEN (Ö) – Seit zwei Tagen sind die Opfer des Inzest-Dramas nun frei. Werden sie jemals ein normales Leben führen können? Die Familie macht einen guten Eindruck.

Vorgestern durften die vier Hauptopfer ihre erste Nacht ausserhalb des Horror-Kellers verbringen. Elisabeth F. zum ersten Mal seit 24 Jahren, ihre drei Kinder, die mit ihr im Verlies lebten, zum ersten Mal seit ihrer Geburt!

Die Familie, Tochter Elisabeth, die Ehefrau Rosemarie F. sowie fünf Kinder befinden sich nun, abgeschottet von der Aussenwelt, in einer psychiatrischen Abteilung des Landeskrankenhauses Amstetten. Doch die Ärzte und Psychologen können teilweise Entwarnung geben: «Die Familie macht einen guten Eindruck», berichtet Bezirkshauptmann Hans-Heinz Lenze zu «Krone.at».

Die sieben Patienten. Zum Teil haben sie noch nie miteinander gesprochen. Nun sind sie seit drei Tagen beisammen. Doch die Kommunikation untereinander sei «gut», zitiert «Krone.at» den Chefarzt Berthold Kepplinger. Noch untersuchen Ärzte die Opfer des Inzest-Dramas. Denn eine Existenz ohne Tageslicht kann zu Vitamin-D-Mangel hervorrufen. Was wiederum zu Wachstumsschäden führen kann. Bei den Kindern gibt es jedoch «keine derartigen Anzeichen», so der Chefarzt. Sie werden möglicherweise eine neue Identität erhalten, um ihnen eine geordnete Zukunft ohne ständige Verfolgung durch die Medien zu sichern.

Noch immer kritisch ist der Gesundheitszustand der 19-Jährigen, die durch ihre Hospitalisierung den Fall ins Rollen brachte. Sie werde weiterhin beatmet, einer Antibiotika-Therapie und einer Dialyse unterzogen.

Auf der untersten Stufe

Und Josef Fritzl? Dieser unheimliche Mann, der seiner Familie unvorstellbares Leid brachte? Er habe die Nacht gut verbracht, berichtet der Anstaltsleiter Günther Mörwald. Es sei keine Selbstmordgefahr von ihm ausgegangen. Mörwald sagt gegenüber «Krone.at»: «Körperlich ist er gut beisammen». Doch psychisch scheint es ihm schlecht zu gehen. Verteidiger Mayer sagte nach einem kurzen Gespräch, Fritzl wirke «emotional gebrochen».

Gemäss der Justizministerin Berger könnte Josef Fritzl lebenslang hinter Gitter wandern. Und das wird kein Zuckerschlecken. Denn Sexualstraftäter stehen im Gefängnis auf der untersten Hierarchiestufe… (num)

DNA beweist: Fritzl ist der Vater

Ein DNA-Test ergab, dass alle in dem Horrorhaus gezeugten Kinder von Josef Fritzl stammen. Dies sagte heute der Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich, Franz Polzer. Zudem hätten die DNA-Untersuchungen ergeben, dass der Verdächtige mehrere Briefe seiner Tochter, die deren freiwilliges Verschwinden belegen sollten, angefertigt hatte. Er habe sie zum Verfassen der Briefe gezwungen und diese dann selbst verschickt. Um auch über das Geständnis hinaus die Missbrauchsvorwürfe beweisen zu können, untersuchten Kriminaltechniker weiter das Kellerverlies in dem Haus in Amstetten, in dem die heute 42-jährige Tochter eingesperrt war. (SDA)
play Sie ist nun mit ihren Kindern vereint: Elisabeth Fritzl. (Dukas)

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