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«Es ist eine enorme Zerstörung. Und nebst dem ganzen Geröll, den Steinen, dem Material ist es auch eine enorme psychologische Belastung», sagt Maurício Pinheiro (44). Der brasilianisch-schweizerische Doppelbürger lebt in Nova Friburgo – hier forderten die Erdrutsche die meisten Todesopfer.
Bisher wurden in Nova Friburgo 319 Leichen gefunden. Die Zahl der Vermissten ist noch unklar. Die 130 Kilometer von Rio de Janeiro entfernt liegende Stadt wurde 1819 von Schweizer Auswanderern gegründet. Pinheiro ist Direktor der Casa Suiça – des Schweizerhauses – das an die helvetischen Wurzeln erinnern soll. Und Pinheiro hatte Glück: Er und seine Familie wurden vom Unglück verschont.
Über 20000 Menschen haben kein Zuhause mehr
«In Nova Friburgo ist die Rede von über 300 Toten, 2000 Obdachlosen und 3000 Personen, deren Häuser zwar noch stehen, die aber nicht mehr dahin zurückkehren können», schildert Pinheiro das Ausmass der Katastrophe. Insgesamt zählten die Behörden in den betroffenen Gebieten nördlich von Rio de Janeiro schon mehr als 700 Todesopfer. Von mehr als 200 Menschen fehlt noch jede Spur und 21500 Menschen in der Region seien obdachlos oder bei Verwandten untergekommen.
«Es ist schwierig, jemanden auf der Strasse zu treffen, der nicht vom Unglück betroffen ist», erklärt Pinheiro. Von seinem Zuhause aus sei das betroffene Gebiet aber nicht zu sehen. Langsam kehre wieder Leben zurück in die Stadt, die etwa 200‘000 Einwohner hat: «Für rund 48 bis 72 Stunden stand das Leben in Nova Friburgo still.» Jetzt sind die grossen Supermärkte wieder offen. Den täglichen Bedarf kann man wieder decken. Auch die Telefon- und Handyleitungen oder das Internet beginnen wieder zu funktionieren.
Die Feuerwehr kämpft gegen den Schlamm
«Momentan laufen die Arbeiten an ganz verschiedenen Fronten», erklärt Pinheiro. Zum Einen müssten noch immer Tote geborgen und beerdigt werden. Die Feuerwehr kämpfe gegen den Schlamm und auch der Wiederaufbau der ersten Häuser laufe wieder an.
Erdrutsche mit Todesopfern sind in Brasilien keine Seltenheit. Aber ein solches Ausmass gab es kaum je. In Nova Friburgo traf es auch moderne Gebäude: «Das waren ungeheure Naturgewalten», erklärt Pinheiro, «auch moderne, nach allen Normen gebaute Gebäude konnten den Kräften nicht standhalten.»
Pinheiro wurde in Nova Friburgo geboren. Nach Studien in Frankreich lebte er lange Zeit in der Schweiz. Er ist mit der Schweizerin Marianne verheiratet. Der ausgebildete Buchrestaurator ist heute Direktor des Schweizerhauses in Nova Friburgo.
Die Casa Suiça, die von der Katastrophe nicht betroffen ist, wurde von der schweizerischen Association Fribourg – Nova Friburgo (AFNF) aufgebaut. Der Verein pflegt freundschaftliche Beziehungen zwischen der Schweiz und der brasilianischen Stadt und will an ihre Schweizer Wurzeln erinnern. Der Fribourger Verein startete eine Sammelaktion für die Opfer (Kasten rechts).