Fall Kachelmann So beweist man eine Vergewaltigung

MANNHEIM – ARD-Wettermann Jörg Kachelmann soll seine Ex vergewaltigt haben und sitzt deswegen in U-Haft. Doch nach welchen Spuren suchten die Gerichtsmediziner?

  • Aktualisiert am 13.01.2012
Wird eine Frau vergewaltigt, wird sie von Kopf bis Fuss untersucht (Symbolbild).- SI

Hat Jörg Kachelmann seine Ex-Freundin Petra* (36) vergewaltigt? Der Anwalt der Frau sagt, in der Gerichtsmedizin seien die Spuren der Vergewaltigung festgestellt worden. Denn unmittelbar nach der Tat liess sich Petra von den Ärzten untersuchen.

Doch wie stellt man eine Vergewaltigung überhaupt fest? Es sei eine akribische Spurensuche, wie der erfahrene Rechtsmediziner Michael Tsokos gegenüber «Stern.de» erklärt. Die Untersuchung beschränke sich nämlich nicht nur auf die Geschlechtsorgane. Viele andere Hinweise könnten Aufschluss über die Tat geben.

Abstriche aus Mund, Vagina und Anus

Mit speziell dafür vorgesehen Tupfern würden Abstriche aus Vagina, Anus oder Mund gemacht – je nachdem, was das Opfer angebe. Auch die Haut und die Kleidung würden nach Sperma-Spuren untersucht.

Allzu lange seien die Beweise aber nicht vorhanden: Das Ejakulat sei in der Vagina bis 48 Stunden nach der Tat auswertbar. Im Anus bis 24 Stunden und im Mund bis 12 Stunden.

So werde die DNA des Täters festgestellt – der genetische Fingerabdruck. Die Rechtsmediziner nähmen auch Blut- und Urinproben. So könnten sie feststellen, ob der Täter das Opfer mit Alkohol, Drogen oder gar K.o.-Tropfen gefügig gemacht habe.

Weiter werde das Opfer nach Verletzungen ausserhalb der Geschlechtsorgane untersucht, erklärt der Rechtsmediziner. Hinweise auf eine mögliche Vergewaltigung gäben zum Beispiel Griffspuren an den Armen. Wer Gewalt anwende hinterliesse blaue Flecken an den Innenseiten der Oberarme, oder – wenn die Beine gewaltsam gespreizt worden seien – an den Innenseiten der Oberschenkel.

Damit ist die Untersuchung noch nicht beendet. Je nachdem könne es Bisspuren an den Brüsten geben. Auch hier werde in diesem Fall ein DNA-Abstrich gemacht. Wichtig sei auch die Untersuchung der Handgelenke: Es könnte Fesselungsspuren geben – was gegen einvernehmlichen Sex spricht.

BH und Slip gewaltsam abgerissen?

Der Körper des Opfers müsse auch auf Hautabschürfungen untersucht werden, so der Rechtsmediziner. Die Unterwäsche könnte vom Vergewaltiger gewaltsam heruntergerissen worden sein. Der Hals wird ausserdem auf Würgemale untersucht.

Doch was ist, wenn sich eine Frau nur als Opfer ausgibt und sich selbst verletzt hat, um jemanden eins auszuwischen? Dazu sagt der Rechtsmediziner Michael Tsokos: «Natürlich können wir auch stutzig werden, wenn wir Verletzungen untersuchen.»

Es gebe solche Verletzungen, die verdächtig selbstgemacht aussähen. Oberflächliche Schnittverletzungen, die leicht mit der eigenen Hand erreichbar seien, zum Beispiel. Oder Verletzungen an schmerzunempfindlichen Stellen wie Arme und Bauchhaut.

Bei der Ex-Freundin von Jörg Kachelmann wurden gemäss der «Süddeutschen Zeitung» unter anderem blaue Flecken festgestellt, die auf eine Vergewaltigung hindeuten könnten. Welche zusätzlichen Spuren gefunden wurden, ist nicht bekannt.

Gestern stand Jörg Kachelmann vor dem Haftrichter. Als der Meterologe das Gebäude verliess, rief er der Presse zu: «Ich bin unschuldig!» (num)

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