MAILAND - Der italienische Ex-Premier erschien letzte Woche erstmals persönlich vor Gericht. Jetzt sorgt ein abgehörtes Telefongespräch von Zeugin Ruby für neues Aufsehen in der Sex-Affäre um Silvio Berlusconi.
Die Anklagepunkte gegen Silvio Berlusconi (75) sind heftig: Sex mit einer Minderjährigen und Amtsmissbrauch. Wollte der italienische Ex-Premier Zeugen bestechen? Sie mit Geld zum Schweigen bringen?
Die Online-Seite der Zeitung «La Repubblica» veröffentlichte heute die Aufzeichnung eines abgehörten Telefongesprächs zwischen der Marokkanerin Ruby (19) und einer Freundin. Berlusconi wird beschuldigt, mit Karima al-Mahrough, genannt Ruby, Sex gehabt zu haben, als diese noch Minderjährig war. Er soll ihr wöchentlich 47'000 Euro gezahlt haben, sagt Ruby in der Aufzeichnung vom Oktober 2010.
Die junge Frau sollte sich für das Geld über die Beziehung mit Berlusconi ausschweigen und ihre Glaubwürdigkeit untergraben. «Er sagte mir, ich solle mich verrückt aufführen. Er gebe mir soviel Geld wie ich wolle.» Zusammen mit ihrem Anwalt habe sie fünf Millionen Euro verlangt.
Sie sei seit einem Jahr mit Berlusconi befreundet, sagt Ruby ausserdem zu ihrer Freundin. Sex habe sie jedoch nicht mit ihm gehabt. «Er ist verrückt nach mir, echt verrückt.» Das Problem sei, dass sie minderjährig sei, sagt sie in einer weiteren Aufzeichnung zu einer anderen Freundin.
Belusconi, der bis in vergangenem November im Amt war, erschien am Freitag in der Bunga-Bunga-Affäre erstmals persönlich vor Gericht. Der 75-Jährige legte in einer Verhandlungspause seine Sicht der Dinge dar: «Elegante Abendessen» seien es gewesen, der unter anderem Ruby und andere weibliche Gäste beiwohnten. Keine wilden Partys.
Danach hätten die Frauen für ein «Burlesque-Spektakel» trainiert. Aussagen von Zeuginnen, sie hätten als Nonnen verkleidet gestrippt, bestritt Berlusconi nicht. Er habe jedoch noch nie im Leben für Sex bezahlt.
Den Anklagepunkt des Amtsmissbrauchs kommentierte Berlusconi damit, er sei fest davon überzeugt gewesen, dass Ruby eine Verwandte des damaligen ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak war. Damals noch Premier, setzte sich Berlusconi im Mai 2010 für die Freilassung von Ruby ein, die wegen Diebstahls festgenommen worden war. (noo)