Sie kämpfen für eine Frau, die ihr Kind quält

  • Publiziert: 16.07.2009, Aktualisiert: 03.01.2012

JERUSALEM – Eine Frau lässt ihr Kind beinahe verhungern. Sie wird festgenommen. Die ultra-orthodoxe Gemeinde protestiert und fordert ihre Freilassung.

Eine strenggläubige Jüdin bringt ihren Sohn ins Spital, weil er bis auf die Knochen abgemagert ist. Die Ärzte können sich allerdings die Unterernährung nicht erklären. Der Junge wird, nachdem er wieder zu Kräften gekommen ist, wieder nach Hause geschickt.

Das Szenario wiederholt sich mehrmals. Als die 30-Jährige ihren Sohn (3) nach einer Weile wieder bis aufs Skelett abgemagert ins Spital bringt, wiegt das Kind gerade noch sieben Kilo – so viel wie ein vier Monate alter Säugling! Nach Angaben der israelischen Ärzte sehe der Junge aus wie ein «KZ-Häftling».

Kamera lüftet das schreckliche Geheimnis

Auch dieses Mal können die Ärzte keine medizinischen Gründe für die Unterernährung finden. Deshalb vermuten die Mediziner das Unfassbare: Die Mutter muss das Kind absichtlich aushungern lassen. Die Ärzte installieren eine Überwachungskamera neben dem Bett des Kindes.

Der Verdacht der Ärzte wird durch die Bilder bestätigt. Die Mutter entfernte die Nährsonde immer wieder. Nur wenn Spitalpersonal sich näherte, steckte sie die Sonde wieder ein.

Die 30-Jährige wurde auf der Stelle verhaftet. Es wird geprüft, ob die im fünften Monat schwangere Frau auch ihre anderen vier Kinder gequält hat. Ihr Ehemann bestreitet dies: Sie sei eine vorbildliche Ehefrau und Mutter.

Ultra-Orthodoxe Juden protestieren

Die ultraorthodoxe Gemeinde geht gegen die Festnahme auf die Barrikaden. Sie fordert die Freilassung der Frau und liefert sich Strassenschlachten mit der Polizei. Für sie ist klar, dass die Frau nur festgenommen wurde, um die strenggläubigen Juden zu schikanieren.

Schon letzte Woche ist es mehrmals zu massiven Ausschreitungen gekommen, weil der Bürgermeister Jerusalems entschied, einen öffentlichen Parkplatz in der Hauptstadt am heiligen Sabbat zu öffnen.

Knabe auf dem Weg zur Besserung

Laut einem Spital-Sprecher verbessert sich der Zustand des misshandelten Jungen zusehends. Das Kind könne schon wieder normal essen und sein Körpergewicht habe sich um 20 Prozent gesteigert. Er hoffe, dass der Dreijährige keine bleibenden Schäden davontragen werde, sagt der Sprecher. (gca)

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