Sie hat in Hannover (D) einen Polizisten abgestochen IS-Teenie Safia (16) steht vor Gericht

Im Februar verletzte die Deutsch-Marokkanerin Safia S. einen Polizisten lebensgefährlich. Handelte sie im Auftrag des IS? Oder wusste sie nicht, was sie tut? Das soll beim Prozess herauskommen, der heute begann.

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Es ist ein Freitag im Ferbruar dieses Jahres. Zwei Polizisten kontrollieren im Hauptbahnhof Hannover ein Teenie-Mädchen und fragen sie nach ihrem Ausweis. Plötzlich zieht die Jugendliche ein Gemüsemesser und sticht einem Beamten (34) in den Hals – er muss mit einer fünf Zentimeter tiefen Schnittwunde operiert werden.

Nun steht die mittlerweile 16-Jährige Safia S. in Celle vor Gericht. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung und die Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung vor. Die Tat vom 26. Februar 2016 soll eine «Märtyrer-Operation» für den Islamischen Staat (IS) gewesen sein. Falls das erwiesen wird, wäre es der erste IS-Terrorakt auf deutschem Boden.

Vom Prozess bekamen Journalisten nur einige Formalitäten mit – nach zwanzig Minuten wurden sie gebeten, den Saal zu verlassen. Der Prozess, der bis im Januar dauern könnte, findet wegen des zarten Alters der Angeklagten hinter verschlossenen  Türen statt. Es soll mehr darum gehen, Safia zu erziehen, als sie zu bestrafen. Dem IS-Mädchen drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Sie erfährt vor Gericht von ihrer Doppelbürgerschaft

«Soll ich Safia und du sagen?», fragt der Richter die junge Angeklagte zu Beginn des Prozesses. Sie antwortet: «Ja, Safia und du reicht». Kurz darauf erfährt die Jugendliche, dass sie Doppelbürgerin ist. «Du hast die deutsche und die marokkanische Staatsbürgerschaft?», fragt der Richter. Sie antwortet: «Nein, nur die deutsche». Der Richter korrigiert sie und fügt hinzu: «Möglicherweise weisst du davon nichts.»

Saifas Verteidiger Mutlu Günal findet, die Justiz fahre zu schwere Geschütze auf: «Ich gehe derzeit fest davon aus, dass das Verfahren mit einem Freispruch endet», sagt er zur «Süddeutschen Zeitung». Er glaubt, Safia habe keine Einsicht in das Unrecht ihrer Tat gehabt. Ihre Reife entspreche der einer 13-Jährigen – somit wäre sie strafunmündig. Das Gericht hat ein psychiatrisches Gutachten über das Mädchen in Auftrag gegeben. Ein weiteres Argument des Verteidigers: Die Schülerin habe sich mit einem Brief aus der Haft bei dem Opfer entschuldigt.

Genau um diese Frage dreht sich die Verhandlung: Hat Safia S. die Tat geplant und im direkten Auftrag des Islamischen Staates gehandelt oder wusste sie gar nicht, was sie tut? Dafür wird ihr Leben akribisch unter die Lupe genommen.

Vom Muslim-Maskottchen zur Terroristin

Fest steht: Safia S. wurde schon in jungen Jahren zum Maskottchen der deutschen Salafisten. Bereits als Neunjährige taucht sie einem Propagandavideo mit dem radikalen Prediger Pierre Vogel auf – er nennt sie «Schwester Safia». In Chats soll sie den Tag der Attentate von Paris als «Lieblingstag» und die Terroristen als «Löwen» bezeichnet haben.

Entscheidend dürfte ihre Reise nach Istanbul vom 22. Januar 2016 gewesen sein. Ihr Reiseziel war mutmasslich der IS in Syrien. Doch bevor sie soweit kam, holte sie ihre Mutter zurück. Dennoch bleibt die Frage: Wie eng stand sie im Kontakt zu den Terroristen und wie stark war deren Einfluss auf sie?

Mit auf der Anklagebank sitzt Hasan K. (20). Der Deutsch-Syrer soll gewusst haben, dass Safia in Deutschland eine «Märtyrertat» geplant habe. Weil er nicht zur Polizei ging, muss er sich nun mit ihr vor Gericht verantworten. Hasan K. steht auch unter Verdacht, mit den Terrorplänen zu tun zu haben, die im November 2015 zur Absage des Fussball-Spiels Deutschland gegen die Niederlande in Hannover geführt haben. Vor einem Monat ist er geflohen, wurde aber in Griechenland gefasst und rechtzeitig zum Prozessbeginn nach Deutschland ausgeliefert. (rey)

Publiziert am 20.10.2016 | Aktualisiert am 01.11.2016
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8 Kommentare
  • Regula  Rütli aus Luzern
    21.10.2016
    Wie würde wohl die Verteidigung aussehen, wenn der Verteidiger kein Türke wäre? Es scheint mir kein Zufall zu sein, dass ausgerechnet ein Moslem die islamistische Jung-Terroristin verteidigt! Dass es da ein gewisses Verständnis für den Mordversuch an einem Ungläubigen gibt, ist ja wohl klar. Da würde mir ein religiös neutraler Verteidiger sinnvoller erscheinen. Allerdings habe ich keine Hoffnung auf Besserung bei einem Mädchen, das schon als kleines Kind radikalisiert wurde. Zu spät!
  • R.  M. aus Schweiz
    21.10.2016
    Zehn Jahre Haft waeren zu wenig,15-18 Jahre waeren gerechtfertigt.
    Man muss fundamentiert urteilen,betreffen Nachahmern und dass sich Jugendliche nicht verleiten lassen solche Taten zu begehen.
  • Mike  Probst 21.10.2016
    Eine 16 Jährige, die angeblich nicht weiss, dass man nicht mit einem Messer auf Menschen einstechen sollte?? Und das ihr dies gerade "zufällig" entfallen war, als ein Polizist vor ihr stand? Auch ein griffbereites Messer hat ja jedes 16-Jährige Mädchen dabei, dass nicht weiss, dass ein Messer gefährlich ist... *ironiemodus aus* Lächerlicher als ihr Verteidiger gehts wohl nicht mehr, oder???
  • Meier  Ernst aus Erde
    21.10.2016
    Wer mit 16 Jahren jemand anderen umbringen will befindet sich meiner Meinung nach längst nicht mehr in einem "zarten Alter", sondern sollte nach Erwachsenenrecht be- und verurteilt werden. Und ja, mit 16 Jahren weiss man um die Konsequenzen der eigenen Handlungen.
  • Elsbeth  Schmid 21.10.2016
    Freispruch, nur der Gedanke daran ist schon verwerflich. Sogar mein 6 jährigem Kind weiss, dass man mit einem Messer nicht auf eine Person einsticht. Das Opfer scheint bereits vergessen zu sein. Dessen Lebensweise hat sich wohl drastisch verändert, aber er ist ja nur Polizist und muss damit rechnen. Wie krank ist eigentlich unsere Gesellschaft, dass wir immer die Täter zu Opfern machen. Urteil im Januar zu erwarten, dieses Urteil kann innert Stunden gesprochen werden.