Deutsche vom Winter überfordert Schweizer:«Wir sind straffer organisiert»

  • Publiziert: 20.12.2010, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Melanie Gath

BERLINGEN - Man hat den Eindruck, Deutschland friert ein. Hunderte Flüge wurden annulliert, es fallen Züge aus und auf den Strassen ist das absolute Chaos ausgebrochen. Doch veranstaltet Petrus wirklich so ein Tohuwabohu?

Während hier in der Schweiz die letzten Schneereste wegtauen, nimmt das Chaos in Deutschland kein Ende. Schon wieder schneit es. Hunderte Flüge sind erneut ausgefallen. Die Züge haben Verspätung oder fahren gar nicht. Deutschland spricht von einer «Extremsituation».

«Man hätte es wissen können»

Musste es soweit kommen? «Hätte man nicht besser vorsorgen können?», fragt sich Klimatologe Gerhard Müller-Westermeier vom Deutschen Wetterdienst. Er sagt: «Man hätte es wissen können.»

Es gäbe durchaus längerfristige Vorhersagen, denen man hier vielleicht Beachtung hätte schenken sollen. Das ganze sei eigentlich nicht verwunderlich und man hätte sich besser vorbereiten können.

Müller-Westermeier gibt zu, die Katastrophenmeldungen bezüglich des drohenden Rekordwinters seien sicher nicht ganz solide gewesen. Aber er sagt: «Die Tendenz war richtig.» In den unterschiedlichsten Bereichen seien die Schnee-Rekordzahlen bereits schon jetzt geknackt. Noch nie zuvor hätten beispielsweise in Frankfurt 24 Zentimeter Schnee gelegen. Der Klimatologe sagt: «Der Winter ist aussergewöhnlich kalt und niederschlagsreich.»

Aber ist das ein Grund? Warum liegt alles brach?

Wolfgang Schwalm, der stellvertretender Pressesprecher vom Flughafen Frankfurt sagt: «So extrem war es noch nie.» Das europäische Flugnetzwerk sei durcheinander geraten. So viel Schnee auf einen Schlag habe er in Deutschland noch nie erlebt.

Schwächen in der Organisation oder beim Winterdienst weist er zurück. Hier seien sie schon an der Grenze des Möglichen, sonst behinderten sich die Teams nur gegenseitig. Schwalm erklärt: «Schon im Sommer machen die Mitarbeiter ihre Übungspirouetten, um im Winter fit zu sein.»

Reicht das vielleicht noch nicht?

Sonja Zöchling, Sprecherin vom Flughafen Zürich, sagt: «Wir sind eben wintererprobt!» Sie hätten ausgezeichnete Winterdienste. Allerdings gibt sie zu, es sei ganz normal, dass es bei extremem Schneefall zu Behinderungen komme.

Ähnlich argumentiert auch Christian Ginsig, Mediensprecher der SBB. Er stellt klar, die Zusammenarbeit müsse funktionieren und man müsse gut vorbereitet sein. «Wir sind straff militärisch organisiert.»

Liegt hier das Problem in Deutschland?

Holger Auserkamp, Sprecher für Personenverkehr der Deutschen Bahn, spricht von einer «ziemlich angespannten Situation.» Es rolle alles, was rollen könne. «Aber das gestern war schon sehr heftig», erklärt er. Sie hätten sich gut vorbereitet, doch teilweise käme es eben zu Schäden an den Zügen oder zu eingeschneiten Weichen, weil die Heizung versage. Er sagt: «Wenn bei der Bahn ein bisschen was durcheinander gerät, zieht das immer viel nach sich.»

Man bekommt den Eindruck, Deutschland wünscht sich das übliche nasse «Schmuddelwetter» zurück. Doch fielen die weissen Weihnachten ins Wasser, würde das Gejammer wohl noch lauter.

Top 3

1 Teufelskerl! Mann springt aus 731 Metern Höhe – ohne Fallschirmbullet
2 Auf Sardinien Schweizer (46) stürzt in den Todbullet
3 Private Firma kauft 14 Kampfjets «Wie Top-Gun, nur besser und globaler»bullet

Ausland