Schweizer überlebten das Silvester-Inferno von Dubai «Riesige Schutt-Teile fielen auf unseren Balkon runter»

DUBAI - Sechs Schweizer wollten den Rutsch ins neue Jahr in einem Luxushotel in Dubai feiern. Doch wenige Stunden vor Mitternacht wird ihre Unterkunft zur Feuerhölle.

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Das Ehepaar Jetzer aus Rümlang ZH verbringt den Silvesterabend mit anderen Schweizer Paaren in Dubai. Eingecheckt haben sie im Luxushotel The Address Downtown. Sie machen sich bereit für den Jahreswechsel. Die Kameras und Fotoapparate haben sie installiert, sie wollen das Feuerwerkspektakel festhalten.

«Wir waren in unserem Zimmer, als wir plötzlich einen lauten Knall hörten», erzählt Regula Jetzer (60). Gesehen haben die Schweizer zunächst nichts. «Plötzlich hörten wir die Menschen vor dem Hotel schreien. Sie haben an der Fassade hoch gezeigt. Da haben wir das Feuer gesehen.»

Feueralarm ging nicht los

Wenig später fallen riesige Schutt-Teile auf den Balkon der Jetzers. Die Gruppe reagiert geistesgegenwärtig und verlässt das Hotel sofort. Ehemann Max (58) nimmt noch schnell die Pässe und eine Kreditkarte aus dem Safe. «Dann rannten wir über das Treppenhaus raus», so Regula Jetzer.

Verheerend: Es gab keinen Feueralarm und es seien auch keine Wassersprinkler losgegangen – zumindest nicht, als die Jetzers noch im Gebäude waren.

Dieses Foto haben die Schweizer nach ihrer Flucht gemacht. play
Dieses Foto haben die Schweizer nach ihrer Flucht gemacht. zvg

Vor dem Hotel stehen Sicherheitsleute. Sie weisen die Gruppe an, sich möglichst weit vom Hotel zu entfernen. «Wir hatten Angst, dass das Gebäude einstürzt. Wir sind gerannt und gerannt, bis wir in Sicherheit waren.»

Doch der Horror ist für die Schweizer noch lange nicht vorbei. «Es hatte so viele Menschen auf den Strassen, wir wurden fast erdrückt.» Und auch die Suche nach einer Bleibe für die Nacht erweist sich als schwierig.

«Wir wurden erst gar nicht in die Hotels gelassen», sagt Jetzer. Nur mit ein bisschen Glück und der Hilfe eines weiteren befreundeten Paares, das im Armani-Hotel wohnt, können sie im Burj Khalifa unterkommen.

Vom Burj Khalif aus sehen die Jetzers das Ausmass der Zerstörung. Ihre Zimmer (roter Kreis) sind von aussen ganz Schwarz. play
Vom Burj Khalif aus sehen die Jetzers das Ausmass der Zerstörung. Ihre Zimmer (roter Kreis) sind von aussen ganz Schwarz. zvg

Von dort aus sehen sie ihr Hotel – und das Ausmass der Zerstörung: «Wir wussten, wo unser Hotelzimmer war. Da war alles schwarz.» Die Schweizer Paare können kaum ein Auge zu machen. «Wir schliefen alle in einem Zimmer am Boden.»

Die Jetzers haben nur noch die Kleider, die sie am Körper tragen. Ins Hotel zurück: unmöglich. Das Areal rund um das Hotel ist abgesperrt.

Die Schweizer Paare versuchen verzweifelt an Informationen zu gelangen. «Wir wurden von Hotel zu Hotel geschickt.» Dabei wollen sie nur nach Hause. Das Problem: Drei der Schweizer haben keinen Pass mehr, brauchen Ersatzpapiere, um zurück in die Schweiz zu fliegen. «Wir haben die Hotline vom EDA angerufen. Doch die haben uns gesagt, dass das Konsulat in Dubai geschlossen sei!»

Regula und Max Jetzer (links) sowie ihre Freundin Mirjam können heute nach Hause. Ihre Freunde müssen noch ausharren. play
Regula und Max Jetzer (links) sowie ihre Freundin Mirjam können heute nach Hause. Ihre Freunde müssen noch ausharren. zvg

Die drei ohne Pass müssen jetzt nach Abu Dhabi reisen, um dort einen Ersatzpass zu bekommen. «Wie lange das dauert und wann sie zurück fliegen können, das hat uns aber keiner gesagt.»

EDA: «Keine Schweizer unter den Verletzten»

Das Eidgenössische Amt für auswärtige Angelegenheiten schreibt auf Anfrage von BLICK: «Die Schweizer Botschaft in Abu Dhabi stand in Kontakt mit den Behörden, um zu klären, ob es Schweizer gab unter den Verletzten – das war nicht der Fall.»

Dass die Reisenden nach Abu Dhabi müssen für einen neuen Pass, ist offenbar normal. Dort erhalte man noch am gleichen Tag einen provisorischen Pass. Nur: «Das Ausreisevisum dauert normalerweise etwa eine Woche», schreibt das EDA. In diesem Fall würden sich die lokalen Behörden aber überlegen, eine Sonderregelung einzuführen.

Regula Jetzer ist enttäuscht. Sie kann zusammen mit ihrem Mann und Freundin Mirjam heute noch zurückfliegen. Doch wann ihre Freunde heimfliegen können, ist noch nicht klar. «Das kann doch nicht sein! Wir fühlen uns im Stich gelassen, keiner Hilft uns.»

Beim Brand im Luxushotel wurden 16 Menschen verletzt. Wieso im 20. Stock des Gebäudes ein Feuer ausbrach, ist noch unklar.

Publiziert am 02.01.2016 | Aktualisiert am 02.01.2016
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Grossbrand in Luxus-Hotel Mehrere Verletzte in Dubai

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19 Kommentare
  • Umberto  Toni 03.01.2016
    Gemäss Aussagen von Betroffenen in CNN und Gulfnews war das Krisenmanagement vor Ort perfekt und der Einsatz der Sicherheitskräfte vorbildlich. Dass sich ausgerechnet das hier zitierte Ehepaar aus Rümlang beschwert ist eher bezeichnend für die typisch unflexiblen Charakter des durschschnittlichen Schweizers.
  • August  Sommerhalder aus Amriswil
    02.01.2016
    Leider muss ich die Unzulänglichkeiten des EDA bestätigen. Uns, meiner Frau und mir, wurden in der damals noch existenten Botschaft in Budapest keine Notpässe ausgestellt. Ich fuhr mit Taxi in die Schweiz um die Pässe zu holen. Die Schweiz leistet sich eine inakzeptable Faulenzerbehörde. Das wars!!
  • Silvia  Thiele 02.01.2016
    Nun mal ganz klar meine lieben Leserinnen und Leser... Wären wir in der "Feuer Situation", dann müsste das EDA ganz klar Lage beziehen, vor Ort sein, um unseren Bürgern beizustehen... DA gibt es KEINEN "Feierabend"... im Gegenteil... Bei Nichterfüllung ihrer Aufgabe, müsste man ihnen das "gut bezahlte" Mandat entziehen...!!!
    Warum sonst haben wir ein EDA..?
    • Urs  Leibundgut 02.01.2016
      und die Strecke von Dubai nach Abudabi sind wahnsinnige, fast unüberwindbare 145km. Und ich kann mir nicht vorstellen das die Eigner des Hotels, der Reiseveranstalter, die Reiseversicherung oder auch die Kreditkartenfirma keine Hilfe anbieten.
      Und mal ganz klar:
      Von mir zuhause nach Bern sind es sogar 165km so wie für viele in der Schweiz und vielew Botschaften befnden sich in Bern oder sogar in Genf und Ihre Staatsbürger müssen sich auch dorthin durchschlagen.
  • Urs  Leibundgut 02.01.2016
    Ja,Ja. Wenn es brennt wird gleich das Ganze 63 Stökige Hotel durch den Sprinkler unterwasser gesetzt, die Sirenen häulen in den Gängen und alle rennen Kopflos umher. Ja,ja, so ist es im 0815 AmmiFilm.
    Sprinkler werden sektionsweise ausgelöst, zum Beispiel durch Berstkapseln die auf Wärme reagieren. Also nur dort wo es wirklich brennt. Bei Feueralarmen gibt es zuerst Stille Alarme, danach wird geprüft und das Hotel entspreched kontrolliert geräumt.
    Nur 16 Verletzte = 1A Konzept zu 100 Prozent OK
  • Susanne  Keller aus Basel
    02.01.2016
    Also nu mal halblang Leute. Erstens ist das ja alles von "Hörensagen" Hörenschreiben. Zweitens, andere Länder andere Kulturen, da gibt nicht überall 100 Prozent Schweizer-Sicherheit inkl. doppelter Versicherung. Zudem die Zeiten sind vorbei, dass man nur mit CH-Pass winken konnte und wurde speziell behandelt. Und zum "Letzten" irgend was sollte man noch ertragen können, ohne gleich einen Betreuer nebenan zu haben.