Schweizer Schüler treten Geschäftsmann halb tot

  • Publiziert: 03.07.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Karin Baltisberger, Beat Michel, Daniel Riedel und Adrian Schulthess

Gewalt-Exzess auf der Schulreise in München: Mike, Benji und Ivan gehen auf einen völlig Unbekannten los. Jetzt sind sie in Haft: Mordverdacht!

Sie wollten es noch einmal so richtig krachen lassen: Die 24 Schüler des 10. Schuljahrs der Weiterbildungs- und Berufswahlschule Küsnacht an der Zürcher Goldküste.

Mit einem Schulleiter, zwei Lehrern und einer Lehrerin reisen sie für eine Woche in München. Eine tolle Reise zum Ende der Schulzeit. Und die Schüler feiern: Am Dienstagabend geben sie sich in einem Park gehörig die Kante. Sie saufen und kiffen.

Dann wollen Mike, Benji und Ivan (alle 16) noch etwas «Spass» zu haben. Wahllos gehen sie auf Passanten los: Drei Männern um die 60 verpassen die Rowdys einfach so ein paar Faustschläge.

Die Teenager steigern sich in einen wahren Amoklauf hinein.

Am Sendlinger-Tor-Platz kommt ihnen ein deutscher Versicherungskaufmann (46) entgegen. Er ist auf dem Weg ins Hotel. Die Schläger bringen ihn zu Boden – treten auf ihn ein. Immer und immer wieder.

Laurent Laufleur (34), Staatsanwalt der Abteilung München I, sagt danach: «Die Täter gingen äusserst brutal vor. Mit gezielten Tritten brachen sie dem Opfer mehrere Gesichts- und Schädelknochen!» Die Verletzungen sind so schwer, dass die Ärzte später um das Leben des 46-jährigen kämpfen müssen.

Mike, Benji und Ivan lassen ihn liegen. Auf dem Heimweg in die CVJM-Jugendherberge schlagen sie noch einen bulgarischen Studenten (27) k.o.

Doch trotz Suff, trotz Gewaltrausch wissen sie genau, was sie anrichten: Auf der Flucht tauschen sie unteinander die Kleider – um allfällige Zeugen zu verwirren.

Es hilft ihnen nicht: Ein paar Stunden später erscheint die Polizei in der Unterkunft und nimmt acht Jugendliche aus der Klasse fest. Fünf werden nach Verhören freigelassen. Mike, Benji und Ivan bleiben in Untersuchungshaft.

Am Mittwoch kriegt Mikes Vater Toni (44) einen Anruf aus München. Am Apparat: der Anwalt des Sohnes. «Er sagte mir, Mike sei verhaftet. Und auch warum», sagt der Vater zu BLICK. Er kann mit dem Sohn sprechen. «Aber wir mussten Hochdeutsch reden. Er durfte nur zwei Sätze sagen», so Toni. «Mike weinte: Er habe etwas Schlimmes getan. Es tue ihm so leid.»

Späte Reue. Der Staatsanwalt wirft den dreien Mordversuch vor. In Deutschland drohen ihnen dafür zehn Jahre Knast!

Toni leidet mit dem Sohn: «Er hatte ab August endlich eine Lehrstelle als Autoersatzteile-Logistiker. Und mit so einem Blösinn macht er sein ganzes Leben kaputt!»

Es sei halt schade, dass es in Deutschland passiert sei, fügt Toni hinzu: «In der Schweiz würde Mike nicht so hart bestraft. Hier bekäme er eine zweite Chance.»

Klingt, als sei der Gewaltrausch bloss Pech gewesen.

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