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Die Netze sind ausgeworfen. Für den Hummerfang sind sie gedacht. Doch sie werden auch für andere Meerestiere zu einer lebensbedrohlichen Gefahr. Wie in diesem Fall.
«Ein kleiner Baby Orca hat sich beim Spielen verheddert» berichtet der Schweizer Ivo Jetter (40) aus Neuseeland. «Das Tier war dort gefangen.»
Zusammen mit Silvio und Mandy Schulze, Freunden aus Deutschland, fahren die Ostschweizer Ivo Jetter und seine Frau Rosemarie gestern raus aufs Meer. Jetters leben in Kaikoura, einem kleinen Ort an der Ostküste von Neuseeland. Dort kann man wilde Delfine sehen und mit ihnen schwimmen.
«Er hat sich nicht von der Stelle bewegt»
Anstelle von Delfinen entdecken sie plötzlich eine Gruppe von Killerwalen. Unweit davon ein Orca-Baby. «Er hat sich nicht von der Stelle bewegt», sagt Jetter. «Wir wussten, da stimmt etwas nicht» Sie fahren mit ihrem Boot näher ran und erkennen die bedrohliche Situation.
Das Jungtier hatte sich offenbar beim Spielen verheddert. Jetter ruft seinen Freund Walter Kunz, der ebenfalls zusammen mit seiner Frau nach Neuseeland ausgewandert ist, an und sagt, er brauche Hilfe. «Ich habe dann von Land aus die Rettungsaktion eingeleitet», berichtet Kunz. Er weiss sofort, was zu tun ist. Schon kurze Zeit später fahren die Retter raus aufs Meer.
«Ich bleibe hier, bis der Orca frei ist»
Jetter bewegt sich nicht vom Fleck und lässt den Wal nicht aus den Augen. Vorbeikommende Neuseeländer warnen ihn und raten ihm, sich zu entfernen. «Ich habe gesagt: ‹Ich bleibe hier bis der Orca frei ist›», berichtet Jetter.
Acht grosse Killerwale schwimmen um das kleine Boot herum. Doch die Tiere greifen nicht an. Und das, obwohl die Schweizer sehr nah an den kleinen gefangenen Orca herangefahren sind.
«Das ganze war eine unglaubliche Aktion», sagt Kunz. «Die Wale müssen gespürt haben, dass Hilfe kommt.» Auch die neuseeländischen Retter seien beeindruckt gewesen, berichtet er.
Jetter erzählt: «Als die Retter dann da waren, ist der kleine Wal mit dem Kopf untergetaucht und hat seine Schwanzflosse hochgehalten.» Er habe sich überhaupt nicht gewehrt, im Gegenteil – er habe bei der Rettung geholfen. So konnten sie das Seil um seine Flosse entfernen.
«Als er wieder frei war, ist er direkt untergetaucht», so Jetter. Die grossen Orcas seien nach der Rettung des Babys noch einmal aufgetaucht und dann davon geschwommen. «Sie haben sich bedankt.»