Schweizer Pilot zu Bombenanschlag auf Afrika-Flieger Wie landet man ein Flugzeug mit Loch im Rumpf?

Im Film werden Passagiere aus dem Flugzeug gesogen, wenn es ein Loch im Flugzeug hat. Doch in der Realität läuft alles viel weniger dramatisch ab.

Explosion reisst ein Loch in den Flieger

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Was die Passagiere von Flug D3159 der Daallo Air gestern erlebten, ist der Alptraum eines jeden. Kurz nach dem Start gibt es einen Knall. Eine Bombe reisst ein Loch in den Rumpf – vermutlich durch einen Selbstmordattentäter (BLICK berichtete).

In Filmen bricht in diesem Fall an Bord Panik aus. Die Passagiere schreien, werden durch die Luft geschleudert und aus dem Loch gesogen.

Im Video, das auf Flug D3159 aufgenommen wurde, siehts aber ganz anders aus. Die Leute sind ruhig. Wenn man es nicht wüsste, würde man nicht denken, dass das Flugzeug mit einem Loch im Rumpf fliegt.

«Es gibt zwar einen Unterdruck, aber die Szenen in Hollywood-Filmen entsprechen nicht der Realität», sagt Tobias Mattle, Sprecher des Pilotenverbands Aeropers und Airbus-Pilot zu BLICK.

Tobias Mattle ist Aeropers-Sprecher und fliegt beruflich mit A330 und A340. play
Tobias Mattle ist Aeropers-Sprecher und fliegt beruflich mit A330 und A340.

Das Problem sei weniger der Unterdruck, sondern der fehlende Sauerstoff. «Auf 10'000 Metern hat man 15 bis 20 Sekunden Zeit, die Sauerstoffmaske anzuziehen», sagt Mattle. Je tiefer man fliegt, desto länger hat man Zeit.

Pilot Mattle hat zwar noch nie einen solchen Vorfall erlebt, aber schon mehrmals im Simulator geübt. «Wir sind dafür ausgebildet, dass wir mit einer solchen Situation rational umgehen können.»

Bei einer solchen «Rapid Decompression» schützt sich der Pilot erst selber und zieht die Sauerstoffmasken an. Dann geht er sofort in den Sinkflug. Ab rund 3000 Metern ist der Sauerstoffdruck gross genug, dass die Atmung ohne Maske möglich ist.

Um ein Flugzeug zum Absturz zu bringen, reicht ein Loch wie auf dem Daallo-Flug (2 auf 1 Meter) nicht. Solange der Rumpf nicht auseinanderbricht, ein Flügel beschädigt oder wichtige Elemente zerstört werden, kann es weiterfliegen. «Flugzeuge sind extrem stabil gebaut und noch lange fliegbar», sagt Mattle.

Das extremste Beispiel dafür ist Flug 243 von Aloha-Airlines. Bei der Boeing 737-200 löste sich am 28. April 1988 mitten im Flug ein grosser Teil des Dachs. Trotzdem gelang es dem Piloten die Maschine sicher zu landen. Nur eine Person kam ums Leben.

 

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Mitten im Flug verlor am 28. April 1988 der Aloha-Airlines-Flug 243 einen Teil des Dachs. Trotzdem konnte der Pilot die Boeing 737-200 auf Maui sicher landen. Nur eine Person wurde getötet. zvg

 

Aloha Airlines Flt 243 Publiziert am 03.02.2016 | Aktualisiert am 10.03.2016
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8 Kommentare
  • Albert  Knoll 04.02.2016
    Handy raus und los gehts. Völlig abartig krank.
  • Armin  Bruesch aus Thusis
    03.02.2016
    Warum besitzt hier niemand so viel Rückrat um der Besatzung ein Dickes Lob auszusprechen. Es ist alles gut gegangen, anderenfalls wäre sowieso wieder der Pilot schuld gewesen. Er sei Fluguntauglich gewesen und so weiter und so fort.
  • Steven  Reynard aus Nordostschweiz
    03.02.2016
    Da bliebe noch die Ergänzung, dass bei Aloha 1988 die getötete Person eine Stewardess war, die natürlich nicht angeschnallt im Gang stand. Also, im Sitz immer anschnallen.
  • Walter  Engelskind aus Bergdietikon
    03.02.2016
    Klar, das ist alles halb so schlimm! Wusste ich doch, kommt so ein Statement. Erinnert mich an so Floskeln wie "für die Bevölkerung bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr." Ob Flugunglück, Schifffahrt, Kernkraftwerk - egal die Zuständigen haben alles im Griff. So ein Loch im Rumpf ist doch locker wegzustecken - ideal für Selfies. Und der rausgesogene Passagier - Kollateralschaden oder wie...?!
    • Oliver  Schlottmann aus Estavayer-le-Lac
      08.02.2016
      Fuer einmal wurde der richtige rausgesogen..
  • Beat  Müller aus Bern
    03.02.2016
    Wenn es eine Dekompression im Passagierraum gibt, ist nicht die Absturzgefahr am grössten, sondern die Gefahr, durch herumfliegende Gegenstände der Passagiere oder durch diese selber getroffen zu werden. Man kennt sie alle die Megahandgepäckfreunde und Sofort-nach-dem-Start-abschnallen-Passagiere.....