Ölteppich bedroht US-Küste Schweizer Bohrinsel versank im Golf von Mexiko

  • Publiziert: 23.04.2010, Aktualisiert: 19.01.2012

WASHINGTON – Zwei Tage nach einer schweren Explosion ist eine brennende Bohrinsel des Schweizer Unternehmens Transocean gestern im Golf von Mexiko untergegangen. Dabei strömte Öl ins Wasser.

Im Golf von Mexiko steht eine Ölkatastrophe kurz bevor: Die Bohrinsel «Deepwater Horizon» ist rund 190 Kilometer südlich von New Orleans (US-Bundesstaat Louisiana) in den Fluten verschwunden. Elf Arbeiter bleiben verschollen.

Die US-Küstenwache befürchtet, dass bis zu 700000 Gallonen Öl (rund zweieinhalb Millionen Liter) in den Golf gelangen könnten. Das erste Öl lief bereits aus, allerdings konnte zunächst nicht festgestellt werden, in welcher Menge.

Ölteppich von 1,6 km Breite und 8 km Länge

Die Küstenwache schickte ein unbemanntes Mini-U-Boot mit Kameras zur Unglücksstelle, um Einzelheiten zu ermitteln. Rund 70 Kilometer vor der Küste sei bereits ein Ölteppich auf einer Fläche von 1,6 Kilometern Breite und acht Kilometern Länge entstanden, teilte die Küstenwache mit.

Es sei eine massive Räumungs- und Säuberungsaktion im Gang, damit das Öl nicht an die Küste der Bundesstaaten Louisiana, Alabama und Mississippi gelange. Von den Rohöl- und Dieselbeständen auf der Plattform gehe ein «potenzielles Umweltrisiko» aus.

Hilfe aus dem Weissen Haus

US-Präsident Barack Obama kündigte an, alles zu tun, um eine mögliche Umweltkatastrophe abzuwenden. In einer Erklärung des Weissen Hauses hiess es, Obama habe «jede erforderliche Hilfe» der Bundesregierung für die Rettungs- und Katastrophenschutzmassnahmen zugesagt. Die «Antwort» auf das Unglück habe höchste Priorität.

Explosion – 115 Arbeiter gerettet

Am Dienstag hatte es auf der mobilen Plattform von der Grösse zweier Fussballfelder aus bislang ungeklärten Gründen eine Explosion gegeben (Blick.ch berichtete). 115 Arbeiter konnten nach Angaben von Transocean aus dem Flammenmeer gerettet werden.

Einige von ihnen sprangen 30 Meter tief in die Fluten. 17 Arbeiter wurden verletzt ins Spital gebracht, vier von ihnen waren schwer verletzt.

Wie das «Wall Street Journal» berichtet, war der Ölkonzern British Patrol (BP) kurz davor, einen grossen Ölfund an der Stelle bekanntzugeben, an der sich die Plattform befand.

«Wir sind entschlossen, alles in unserer Macht stehende zu tun, um die Ölverschmutzung in Schach zu halten und die Situation so sicher, schnell und effektiv wie möglich zu lösen», erklärte BP-Chef Tony Hayward.

Kaum mehr Hoffnung auf Überlebende

Angehörige der Vermissten Transocean-Angestellten hoffen noch immer auf ein Lebenszeichen. Doch ein Polizeisprecher äusserte sich weniger optimistisch. «Mit jeder Stunde, die verstreicht, ohne dass wir sie finden, schwindet auch die Überlebenschance», sagte Michael OBerry dem TV-Sender «CNN». Die Familie eines Vermissten erstattete indessen Anzeige gegen die an der Bohrinsel beteiligten Firmen.

An Schweizer Börse kotiert, Sitz in Zug


Transocean verfügt über rund 140 bewegliche Bohranlagen und damit über die grösste Flotte in der Branche. Die ursprünglich US-amerikanische Firma hat seit 2008 ihren Sitz im Kanton Zug. Seit Dienstag ist sie an der Schweizer Börse SIX kotiert, ihre Aktien werden zudem weiterhin an der New Yorker Börse NYSE gehandelt. (SDA)

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