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Als in Haiti die Erde bebte, versprach die Welt ihren Beistand. Doch die erste Hilfe kam erst eine Woche später bei Hunderttausenden von Verletzten und Obdachlosen an. «Wären wir schneller gewesen, hätten wir viele Menschen retten können», sagt Dr. Enrique Steiger (50).
Der Chirurg und Oberstleutnant der Schweizer Armee weiss, wovon er spricht. Regelmässig operiert er im Auftrag des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz in einem der vielen Krisengebiete der Welt. Seine aus diesen Erfahrungen geborene Idee: eine mindestens 250 Mann starke humanitäre Eingreiftruppe, die binnen weniger Stunden auf dem Weg sein kann – begleitet von einem bewaffneten Kontingent: «Grosse Distanzen müssen überwunden werden, die Sicherheit der Helfer muss gewährleistet sein. Oft, wie jetzt in Haiti, ist die Infrastruktur zerstört – mit solchen Problemen werden nur Armeen fertig.»
Traditionell lehnen humanitäre Hilfsorganisationen die Kooperation mit dem Militär ab. Doch jetzt beginnt ein Umdenken: Ohne den schnellen Einsatz von über 10000 US-Soldaten wäre die Erstversorgung der haitianischen Opfer nicht gelungen. Nur Stunden nach seiner Ankunft in Port-au-Prince musste auch Toni Frisch (64), der Chef des Schweizer Katastrophendienstes, erstmals zugeben, dass «wir über eine solche Einsatztruppe nachdenken müssen».
Steiger weiss auch, wer die bewaffnete Hilfstruppe stellen sollte: «Die Armee der neutralen Schweiz könnte diese wichtige Nische füllen und unser Land damit im humanitären Einsatz vermehrt ‹globale Verantwortung› übernehmen.»
Profi: Enrique Steiger hat Erfahrung als Arzt in Krisengebieten.- ZVG