ZÜRICH – Nach dem Minarett-Verbot häufen sich die Boykott-Aufrufe. Und nicht nur das: Arabische Zeitungen zufolge hat die Schweiz damit der Terror-Organisation Al Kaida ein «Geschenk» gemacht.
Schon gestern hatte der türkische Europaminister Egemen Bagis Muslime aufgerufen, ihre Vermögen aus der Schweiz abzuziehen (Blick.ch berichtete). Dem Aufruf schlossen sich die Führung der syrischen Republik und selbst der Fraktionspräsident der
Grünen im EU-Parlament, Daniel Cohn-Bendit, an: «Die Kassen der Eidgenossen leeren, das ist es, was man tun müsste!»Dies ist für türkische, syrische, ägyptische und arabische Medien auch heute ein Thema: Die Schweizer Industrie exportiert viel in islamische und arabische Länder, ein Boykott wird sich daher spürbar auswirken, heisst es vielerorts.«Das schönste Geschenk für Al Kaida»Doch nicht nur ein Wirtschaftsboykott der Schweiz ist in islamischen Ländern zum Thema geworden. Vor allem die arabischen Medien befürchten, dass die Schweizer Anti-Minarett-Entscheidung radikalen Muslimen Auftrieb geben könnte: «Das ist das schönste Geschenk, das Al Kaida dieses Jahr bekommen hat, da es ihrer Propaganda dienlich ist», heisst es etwa in der überregionalen arabische Tageszeitung «al-Quds al-Arabi».Am Sonntag hat die Schweiz für ein Verbot der Minarette in der Schweiz gestimmt. Am Montag und Dienstag fielen die Reaktionen der islamischen Welt noch lau aus – wegen des fünftägigen islamischen Opferfestes, der Bairam-Feiertage. Diese sind jetzt vorbei. Es scheint auch das Ende der moderaten Reaktionen auf den Schweizer Volksentschluss. (gux)