Extrem-Kälte Schon mehr als 220 Tote in Europa

Die Extremkälte in Europa bringt jeden Tag mehr Menschen den Tod: Inzwischen sind auf dem Kontinent mehr als 220 Menschen erfroren, die meisten davon in Osteuropa.

  • Publiziert: 03.02.2012

Binnen 24 Stunden stieg in der Ukraine die Zahl der Toten von 63 auf über hundert, wie das Zivilschutzministerium in Kiew mitteilte. Mehr als 1000 Menschen mussten sich wegen Unterkühlung oder Erfrierungen ärztlich behandeln lassen.

Die ukrainische Regierung erhöhte die Zahl der Wärmestuben, in denen Frierende heisse Getränke und Essen bekommen. Landesweit sind knapp 90 Prozent der Schulen geschlossen, hunderttausende Schüler haben «kältefrei». «Wir gehen durch sehr schwere Zeiten», sagte Regierungschef Mikola Asarow der russischen Nachrichtenagentur Interfax.

Minus 38,1 Grad

In Polen rief Innenminister Jacek Cichocki angesichts der bisher kältesten Nacht des Winters und mindestens 37 Todesopfern in wenigen Tagen die regionalen Behörden auf, sich verstärkt um Alte und Kranke zu kümmern.

In Tschechien hielt am Freitag die Böhmerwald-Gemeinde Kvilda den Kälterekord. Dort sanken die Temperaturen auf minus 38,1 Grad. Eingefrorene Weichen oder gebrochene Schienen behinderten den Bahnverkehr.

Erstmals nannte am Freitag Russlands Regierung offizielle Zahlen zu den Kälteopfern: Demnach erfroren im Januar insgesamt 64 Menschen, wie die Agentur Itar-Tass berichtete. In der Hauptstadt Moskau befanden sich in der Nacht auf Freitag erneut etwa 20 Menschen mit Erfrierungen im Spital.

Gasstreit flammt wieder auf

Unterdessen sorgt die Kältewelle für eine Neuauflage des Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine. Der ukrainische Energieminister Juri Boiko sagte am Freitag in Kiew, der russische Staatskonzern Gazprom liefere jeden Tag 75 Millionen Kubikmeter weniger Gas als vereinbart. Der Konzern, der die Ukraine zuvor indirekt beschuldigt hatte, Gas aus Transitleitungen abzuzapfen, wies jede Schuld von sich.

Trotz der eingeschränkten Lieferungen versicherte die Sprecherin von EU-Energiekommissar Günther Oettinger unter Verweis auf die Gaslager, Verbraucher und Industrie müssten keine Engpässe fürchten. Auch in der Schweiz sind keine Engpässe zu erwarten, wie Daniel Bächtold, Mediensprecher des Verbands der Schweizerischen Gasindustrie (VSG), sagte.

Zwar liege der tägliche Gasverbrauch gegenwärtig mehr als 20 Prozent über dem üblichen Wert an einem gewöhnlichen Wintertag. Allerdings stammen die Erdgasimporte laut Bächtold nur zu knapp einem Viertel aus Russland. Dieses Gas werde aus den umliegenden Ländern bezogen, direkte Lieferverträge mit Moskau bestünden keine.

Heftiger Schneefall in Rom

Die Schweiz und das nördliche Nachbarland Deutschland verzeichneten in der Nacht auf Freitag die tiefsten Temperaturwerte des bisherigen Winters.

In Deutschland kamen in den letzten Tagen mehrere Menschen wegen der arktischen Kälte ums Leben. Flüsse wie die Oder und die Elbe frieren nach und nach zu. Am Freitag wurde auf der Elbe zwischen Dömitz (Mecklenburg-Vorpommern) und Hamburg die Schifffahrt eingestellt.

Die Kältewelle aus Osteuropa hatte auch Gebiete mit einem sonst milden Klima im Griff. Dicke Schneeflocken fielen am Freitag auf das Kolosseum und das Forum Romanum in Rom. In der italienischen Hauptstadt hatte es zuletzt 1985 und 1986 derart heftig geschneit.

In Norditalien mussten tausende Menschen in ihren Häusern ohne Strom auskommen, Züge blieben im Schnee stecken. In Mailand erfror ein Obdachloser.

In Spanien stiegen die Temperaturen im ganzen Land auf höchstens fünf Grad. Für Freitag bis Sonntag wurde ein Temperatursturz bis auf minus zehn Grad vorhergesagt, in den Bergen sogar bis minus 13 Grad. (SDA)

Von einem Rekord ist Spanien allerdings noch weit entfernt. Die bisher niedrigste Temperatur wurde 1956 mit minus 32 Grad in der katalanischen Provinz Lleida gemessen.

Kommentare (1)

  • Edith  Zellweger
    Meine Gedanken sind bei den Millionen von Strassentieren, die durch diese Kälte elendiglich gestorben sind und weil sich kein Mensch deren erbarmt hat! Das Tierelend ist leider - wie üblich - kein Thema in den Medien und bei den Politikern!
    • 03.02.2012
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