Schon 60 Tote – rätselhafte Grippe wütet in Mexiko

  • Publiziert: 11.00 Uhr, Aktualisiert: 19.01.2012

MEXICO-CITY – Ein Killer-Erreger versetzt Mexiko in Angst und Schrecken. Die Schweinegrippe hat dort schon über 60 Menschen dahingerafft. Jetzt droht eine Pandemie.

Die in Mexiko und den USA ausgebrochene Schweinegrippe könnte nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine weltweite Epidemie auslösen. Ob es jedoch wirklich dazu kommen werde, sei noch zu früh zu sagen, erklärte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan.

«Die Schweinegrippe hat pandemisches Potenzial, weil sie Menschen infiziert.» Der Ausbruch stelle eine ernsthafte Situation dar, ergänzte Chan heute Samstag in Genf.

Die Krankheit, die von Experten bislang nur ungenügend verstanden werde, verbreite sich schnell. Bislang gebe es aber keine Hinweise darauf, dass die Grippe auch in anderen Teilen der Welt ausgebrochen sei.

Die WHO trifft jedoch zunächst keine weiteren Massnahmen. Das sagte ein Sprecher am Samstagabend nach einer Sondersitzung von Infektionsexperten unter der Leitung Chans. Bei Gefahr für die Weltbevölkerung kann die WHO Reise- sowie Handelsbeschränkungen empfehlen, die von den Nationalstaaten umgesetzt werden müssen.

Neuartige Mischung aus Viren

In Mexiko und im Süden der USA grassiert derzeit eine von einem bislang unbekannten Virus verursachte Schweinegrippe. Nach Angaben der WHO starben in Mexiko bis zu 68 Menschen an der Seuche, zudem gibt es rund 1000 Verdachtsfälle.

In den USA erkrankten bisher acht Menschen. Der US-Seuchenbehörde zufolge handelt es sich um eine neuartige Mischung aus Viren, die typisch für Schweine, Vögel und Menschen sind.

Wegen der Seuche gab es für Millionen Kinder in Mexiko-Stadt und Umgebung am Freitag schulfrei. Die Regierung rief die Menschen auf, bei der Begrüssung auf Händeschütteln und Küsse zu verzichten.

Viele Fahrgäste der U-Bahn schützten ihre Gesichter mit Atemmasken. Kinos und Museen blieben geschlossen. Gesundheitsminister Jose Angel Cordova empfahl den Bürgern, grosse Menschenansammlungen zu vermeiden.

Aussergewöhnlich viele Krankheitsfälle

Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger sagte dem mysteriösen neuen Schweinegrippevirus den Kampf an. Er kündigte an, rigoros und gründlich gegen die Seuche vorzugehen. Internationale und US-Experten seien herangezogen worden, um der Krankheit möglichst schnell auf den Grund zu gehen, erklärte Schwarzenegger.

Der Direktor des kalifornischen Zentrums für ansteckende Krankheiten, Gil Chavez, betonte, dass die hohe Zahl der Krankheitsfälle äusserst ungewöhnlich sei. Mit weiteren Fällen müsse gerechnet werden. In Kalifornien infizierten sich bislang sechs Menschen. (sda)

BAG auf der Hut

Auch in der Schweiz werden keine Sofortmassnahmen ergriffen, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) bekannt gab. Die Behörden seien aber auf der Hut. «Wir stehen tatsächlich vor dem Phänomen einer neuen Infektionskrankheit», sagte BAG-Direktor Thomas Zeltner.

Patrick Mathys von der Sektion Früherkennung und Epidemiologie des BAG sagte, inwiefern die saisonale Grippeimpfung gegen das Schweinegrippe-Virus wirke, könne noch nicht gesagt werden. Erkrankungen könnten aber mit Tamiflu behandelt werden. Für ein Viertel der Schweizer Bevölkerung stehe dieses Medikament für den Ernstfall bereit.

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