Deutsche wollen geklaute Bankdaten kaufen «Scheinheilige Schweizer» bunkern «Diebesgut»

  • Publiziert: 01.02.2010, Aktualisiert: 14.01.2012

BERLIN – Die Deutschen sind in sich gespalten, ob sie die geklauten Bankkundendaten kaufen sollen. Einhellig ist jedoch die Meinung über die Schweiz.

1500 geklaute Kontoinformationen von Bankkunden stehen für 2,5 Millionen Euro zum Kauf. Das stellt die deutsche Regierung vor ein Dilemma: Soll man mit Dieben geschäften, sich also bis zu einem gewissen Grad erpressen lassen, um die sündigen Bürger zu bestrafen, die in der Schweiz Steuern hinterzogen haben?

Während die Politiker noch debattieren, scheint der Fall für die deutschen Steuerzahler klar.

Satte 72 Prozent der «Bild.de»-Leser antworteten auf die Frage, ob die Regierung die Steuersünder-Daten kaufen soll mit «Ja»: «Die Bundesregierung sollte die Steuersünder-Daten kaufen. Egal, ob illegal beschafft!»

Dass es zu weit gehe, Geld für illegal beschaffte Daten auszugeben, finden lediglich 25 Prozent.

Die Schweiz soll sich blamieren

Die Schweiz, allen voran natürlich der Bundesrat und Finanzminister Merz, kommt so oder so nicht gut weg. «Die scheinheilige Empörung der Schweizer Regierung darf kein Argument gegen den Kauf sein. Im Gegenteil: Erst wenn die Schweiz sich als Schutzpatronin für Steuersünder oft genug blamiert hat, gibt es Hoffnung, dass sie die Informationen künftig freiwillig herausrückt», schreibt die «Financial Times Deutschland».

Das renommierte Wirtschaftsblatt spricht sich für einen Kauf der Daten aus. Denn solange sich die Schweiz weigere, freiwillig Daten herauszugeben, würden die deutschen Steuerbehörden bei einem Kauf quasi aus «Notwehr handeln».

Unfreiwillig komisch


Für die «Zeit» ist erwiesen: «Auf die Schweiz ist kein Verlass mehr.»

Sie findet es «unfreiwillig komisch», dass ausgerechnet der Verteidigungsminister als erster Promis das Wort ergriffen hat. «Der Schweizer Ressortchef Ueli Maurer schickte via TV die Botschaft , Berlin möge mit einem so schmutzigen Handel das gegenseitige Vertrauen doch bitte nicht erschüttern.»

Hehler, die Diebesgut bunkern


In ihrer Analyse lobt die «Zeit» den in der Schweiz wenig geliebten Ex-Finanzminister Peer Steinbrück. Dieser sei im Umgang mit der Schweiz erfolgreich gewesen.

Für die «Süddeutsche Zeitung» sind vor allem die Schweizer Banken die Schulfis: «Die Schweizer Banken sind die zweite Garde; sie sind die Schutzmacht nicht des Papstes, sondern der deutschen Steuerflüchtlinge.» Die Schweizer Banken seien Hehler des flüchtigen Geldes, die quasi Diebesgut bunkern und das Geld, mit dem in Deutschland Strassen, Schulen und Gefängnisse gebaut werden müssten, für sich nutzten. (gux)

Politiker tendieren immer mehr zum Kauf der Daten

BERLIN – Im Streit um den Umgang mit geklauten Schweizer Kontodaten über deutsche Steuersünder sprechen sich immer mehr CDU-Politiker für einen Ankauf der Daten aus.
Zuvor hatten mehrere Vertreter der Berliner Regierungskoalition den Erwerb des Materials abgelehnt. Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) warnte in der «Süddeutschen Zeitung» vor Nachahmungstaten, wenn der Staat für gestohlene Daten bezahle.
Vertreter von SPD und Grünen sprachen sich dagegen für einen Ankauf aus. Ein Informant hatte den deutschen Behörden Zeitungsberichten zufolge eine CD mit Daten von 1300 bis 1500 Anlegern mit Schweizer Konto angeboten und im Gegenzug 2,5 Millionen Euro verlangt.
play Die «scheinheilige Empörung der Schweizer Regierung» sei kein Argument gegen den Kauf geklauter Kundendaten, so die «Financial Times». (Keystone)

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Ausland

Verstehen Sie die Deutschen, dass sie die geklauten Daten der Steuersünder kaufen wollen?»

  • 30,9% Ja, das würde die Schweiz doch auch tun.
  • 57,4% Nein, der Staat darf sich nicht auf einen Dieb einlassen.
  • 11,8% Mir egal. Das ist eine Angelegenheit zwischen dem deutschen Staat und deutschen Steuersündern.